Angèle Durand
23. Oktober 1925 - 22. Dezember 2001
Zur Person
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Angèle Durand war innerhalb des deutschsprachigen Showgeschäfts eine Repräsentantin der Stilrichtung „französisches Chanson“. Von ihrer Stimmlage und Erscheinung könnte man einen Vergleich mit Zarah Leander ziehen. Dennoch wurde sie nicht zu so einer Ikone wie die legendäre Schwedin. Aber im Gegensatz zu Zarah, die in ihren letzten Jahren, nur noch ein trauriger Abklatsch an ihre großen Zeiten war, hatte es Angèle Durand immer verstanden, sich mit ihrem Alter zu wandeln, so dass sie eigentlich immer authentisch blieb. Leider blieb ihre Vielseitigkeit einem ganz großen Publikum weitestgehend verborgen.
Es ist sehr schwer, halbwegs sichere Aussagen zu ihrer frühen Biographie zu machen. Angèle Durand hat – gerade in den frühen Jahren ihrer Karriere in Deutschland, doch so einige Aussagen gemacht, die ziemlich definitiv so nicht stimmen konnten. Das wiederum ist natürlich ein generelles Problem. Biographische Genauigkeit hatte (und hat) im gesamten Showgeschäft noch nie einen hohen Stellenwert. Oft hatten publizierte Lebensläufe herzlich wenig mit der Wirklichkeit zu tun. Sie hatten der Publicity zu dienen – der Informationsgehalt spielte oftmals keine Rolle. In Hollywood wurden teilweise publizierte Lebensläufe schlicht und einfach von den Publicity-Abteilungen oder auch den Künstlern selbst erfunden. Yul Brynner und Errol Flynn sind zwei Beispiele dafür. Oder man erinnere sich daran, was für verschiedene Geschichten im Laufe der Jahrzehnte über Freddy Quinn kursierten.
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Angèle Durand wurde am 23. Oktober 1925 im belgischen Antwerpen geboren. Ihr Vater war ein wohlhabender Inhaber einer Diamantenschleiferei. In ihrer Heimatstadt besuchte sie eine Schule des Ursulinen-Ordens, einer 1535 gegründeten Frauengemeinschaft, die sich besonders um Erziehungs-fragen kümmern. Angèle war wohl damals eine ziemlich mustergültige Schülerin, was ihr auch den Beinamen „Engelken“ einbrachte. Als junges Mädchen wollte sie denn auch Nonne werden. Dieser Zukunftswunsch trat dann mit der einsetzenden Pubertät aber in den Hintergrund.
Mit vierzehn Jahren nahm sie an einem Amateuer-Künstler-Wettbewerb im Rubens-Palast von Antwerpen teil. Dabei trug sie ein Ballkleid ihrer Mutter. Angèle sang bei der Veranstaltung „South Of The Border“ und „An Apple For The Teacher“ (Letzteres Lied stammt wohl nicht – wie immer wieder mal zu lesen ist – aus einem Shirley-Temple-Film. Die Originalversion vom 22.06.1939 ist von Bing Crosby). Die junge Angèle konnte mit ihrer Darbietung den dritten Platz erringen. Nach späteren Angaben von Angèle Durand soll das Ereignis am 10. August 1940 stattgefunden haben. Am gleichen Abend hätten deutsche Bomberverbände unter anderem ihr Elternhaus bombadiert, bei dem diese den Tod gefunden hätten. Das kann allerdings so nicht stimmen, da es zu diesem Zeitpunkt keine Bombenangriffe dort mehr gab – Belgien war bereits vollständig besetzt.
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Wie dem auch sei – Angèle Durand setzte jetzt wohl schon auf eine Karriere als Sängerin. Sie berichtete auch von Auftritten vor deutsche Soldaten. Sie hätte dort Lieder wie „Man kann sein Herz nur einmal verschenken“ und „Ich werde jede Nacht von Ihnen träumen“. Das sei die Voraussetzung gewesen, um am Radiosender in Brüssel arbeiten zu können. Als gegen Ende der deutschen Besatzung die Auftrittsmöglichkeiten gestrichen wurden, arbeitete sie bis Kriegsende im Radiogeschäft ihres Onkels und ihrer Tante.
Nach dem Krieg ging sie mit Stan Brenders und seinem Ensemble auf eine Tingel-Tournee durch kleinere Orte (Zitat Durand: „Wir haben schlechte Musik für gute Eier und Butter gemacht.“)
Daran anschließend folgte ein Engagement für amerikanische Soldaten. Das war in ganz Mitteleuropa zur damaligen Zeit so ziemlich die beste Adresse für Auftritte – überall sonst herrschte der Mangel vor. Angèle wurde im Rahmen einer USO-Tournee (United States Operation) eingesetzt. Die Tournee führte sie durch die Niederlande, Belgien, Deutschland, Frankreich und bis nach Nord-Italien. Ihre Lieder sang sie selbstverständlich alle auf Englisch.
1947 war Angèle kurzzeitig mit einem jungen Brüsseler Arzt verlobt, der jedoch seinerseits ein Morphium-Problem hatte.
In Stuttgart begegnete sie dem amerikanischen Komiker Jerry Bergman, der die groß gewachsene Sängerin als Partnerin in dem Sketch „Amanda, das Riesenweib“ einsetzte. Laut Angèles Angabe lief der Sketch über zehn Monate. Alles in allem war das sicher nichts, was einer Gesangskarriere sonderlich nützte.
Aber dann ergab sich eine deutlich bessere Chance. Der amerikanische Soldatensender AFN (American Forces Network) engagierte sie für eine wöchentliche 15-minütige Radioshow, die in Stuttgart produziert wurde. Sie hieß „What’s New“ und wurde jeweils mittwochs von 14:15 bis 14:30 Uhr gesendet. Gastgeber war Allen Stevens und Angèle sang (auch) französische Chansons.
Nach dem Auslaufen der „Riesenweib“- und „What’s New“-Engagements kehrte Angèle Durand nach Brüssel zurück. Dort ereignete sich ein Glücksfall, die der Sängerin einerseits weitere Erfahrung andererseits eine prestigeträchtige Zusammenarbeit mit einem der Großes des Jazz bescherte. Duke Ellington war nämlich gerade mit seinem Orchester auf Europa-Tournee. Mit dabei waren ursprünglich zwei Sängerinnen, June Richmond und Kay Davis. Die füllige June Richmond, die 1962 im Alter von nur 47 an einem Herzinfarkt starb, ist Vielen sicherlich ein Begriff durch ihre Mitwirkung in dem Film „Liebe, Jazz und Übermut“ mit Peter Alexander und Bibi Johns in den Hauptrollen. Kay Davis war seit 1944 Sängerin bei Ellington, verließ ihn jedoch während der Tournee und hat wohl ihre musikalische Laufbahn aufgegeben.
Das war das Problem in Brüssel. Ellington brauchte für Brüssel eine weitere Sängerin. Man schlug ihr Angèle Durand vor. Angèle sang vor, dem Duke gefiel, was er hörte und sah – und es kam zu dem gemeinsamen Auftritt – im April 1950. Doch entgegen mancherlei Hoffnungen war es das dann (zunächst) auch schon wieder. Die Ellington-Band reiste weiter, Angèle blieb in Brüssel zurück. Doch dann kam einige Wochen danach doch noch die ersehnte weitere Zusammenarbeit zustande. Aus Paris erhielt sie das Angebot, noch weitere vier Wochen mit der Ellington-Band auf Tournee zu gehen. Natürlich nahm sie an. Die Tour führte sie nach Frankreich, Niederlande, Schweden, Deutschland, Italien und Spanien. Die vier Wochen mit Ellington gingen rasch vorüber, es gab ein paar nette Abschiedsworte, aber das war es dann auch.
Immerhin brachte ihr der Ruf der „Ellington-Sängerin“ ein Angebot für Rundfunkaufnahmen beim NWDR in Hamburg ein. Verantwortlich dafür waren Orchesterleiter Harry Hermann Spitz (bekannter als Harry Hermann) und Christian Törsleff, der Leiter der NWDR-Tanz- und Unterhaltungsmusikabteilung. Doch offenbar verliefen die Aufnahmen nicht zufriedenstellend. Angèle Durand hatte große Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Die Lieder, die sie im Krieg für deutsche Soldaten gesungen hatte, sang sie nur phonetisch nach, später bestand ihr Repertoire aus französischen oder auch englischen Titeln. Das war also erst einmal nichts.
Doch es gab ein weiteres Angebot aus Deutschland, das sich zunächst recht gut anhörte, dann aber ganz und gar nicht hielt, was es versprach. Angèle sollte in deutschen Nachtclubs auftreten. Es begann am 1. Februar 1951 in der „Gondel“-Bar in Hannover. Auf dem Plakat stand aber nicht „Angèle Durand von der Duke-Ellington-Band“ oder etwas Ähnliches. Vielmehr war dort – publikumswirksamer aber völlig aus der Luft gegriffen – „Angèle Durand von den Folies Bergères in Paris“ zu lesen. Das schaffte von vorn herein Konflikte. Angèle war hinsichtlich ihrer Bühnengarderobe mehr auf Grande Dame gestylt, die Betreiber der „Gondel“ verlangten nach eindeutig „Luftigerem“, was mehr die Erwartungen in Richtung Flolies Bergères befriedigte. Am liebsten wäre ihnen gewesen, wenn auch im Laufe des Auftritts die eine oder andere Hülle ganz gefallen wäre. Nun ja, man verständigte sich schließlich wohl auf einen Kompromiss. Der Auftritt wurde etwas weniger damenhaft sondern mehr in Richtung sinnlich und sexy gestaltet und war es ansonsten an Bühnen- und Beleuchtungstricks so gab. Aber die Hüllen fielen im Wesentlichen nicht. Es gab wohl nur einen für heutige Begriffe harmlosen Schlusseffekt, bei dem ein Fächer von Bedeutung war. Insgesamt konnte die Sängerin aber nicht die Erwartungen des Gondel-Publikums erfüllen.
Nächste Station war im März 1951 die „Sie und Er“-Bar bzw. „Er und Sie“-Bar (in den Quellen gibt es beide Versionen). Dort trat sie mit dem spanischen Orchester von Andres Lanas auf und wurde auf feurige Spanierin kostümiert. Offensichtlich ist es im Rahmen dieses Engagements auch zu einigen Liedern in deutscher Sprache gekommen. Die Titel waren „Du hast mich so belogen“ und „Meine kleine ’erz macht tick-tack fü die Liebe“. Herr Haferbeck, damals Hamburger Chef der österreichischen Plattenfirma Austroton, besuchte die Bar öfters. Er gab ihr den Ratschlag unbedingt besser Deutsch zu lernen, ansonsten hätte sie keine Chance für Plattenaufnahmen für den deutschsprachigen Markt.
Ganz am Ende des Monats in Hamburg wurde Angèle Durand von einem Mann angesprochen, der ihr dennoch Plattenaufnahmen anbot. Es war Nils Nobach, damals Aufnahmeleiter bei der Teldec. Doch die Sängerin musste zunächst wieder zurück nach Hannover, wo aber Herr Nobach sie ein paar Tage später wieder aufsuchte. Und schon bald waren die Beiden ein Liebespaar. Nach Beendigung ihres Engagements in Hannover zog Angèle zu Nils Nobach nach Hamburg.
Auch hinsichtlich der Schallplattenaufnahmen hielt Nobach sein Wort. Er verschaffte Angèle einen Verrag bei Telefunken. Am 1. August 1951 kam es zu den ersten Aufnahmen. „Wenn Mademoiselle dich küßt“ war damals sowohl unter dem französischen Originaltitel „Sous le ciel de Paris“ als auch unter dem englischen Titel „Under Paris Skies“ ein sehr bekanntes Stück. Der zweite an diesem Tag aufgenommene Titel war Kurt Weills unverwüstlicher „September Song“. Bis März 1953 machte Angèle noch ein weiteres Dutzend Aufnahmen für Telefunken – immer mit Nils Nobach als Produzent.
Einen deutlichen Popularitätsschub erhielt die Sängerin jedoch durch ihre Mitwirkung in dem Helmut-Käutner-Film „ Käpt’n Bay-Bay“ mit Hans Albers in der Hauptrolle. Angèle Durand spielte darin eine Bordell-Mutter. Auch wenn sie an sich noch etwas zu jung für diese Rolle war, passten doch ihre Erscheinung und ihre dunkle Stimme gut zur beabsichtigten Wirkung. Der Film löste einen kleinen Boom für weitere Rollen dieser Art aus. Doch da griff Nils Nobach ein. Er machte Angèle klar, dass es it der angestrebten Platten-Karriere nichts werden würde, wenn sie das Image einer Puffmutter hätte. So ging schlachtete Angèle diese momentane Bekanntheit nicht kurzfristig aus, sondern versuchte durch zahllose Auftritte überall ihre Popularität als Sängerin zu erhöhen.
Nach der Telefunken-Zeit machte Angèle Durand wenige Aufnahmen für Philips, um dann zu Electrola zu gehen. Nils Nobach wurde Produktionsleiter der Electrola – und war damit durchaus einer der mächtigsten Männer im deutschen Plattengeschäft.
Diese Konstellation war durchaus ideal für Angèle Durand. Endlich stand eine große Plattenfirma wirklich hinter ihr und wollte aus ihr einen Star machen. Neben kontinuierlichen Plattenaufnahmen tritt sie auch regelmäßig in Kinofilmen auf, was in den fünfziger Jahren von sehr großer Bedeutung war, da zunächst nur eine Minderheit einen Fernsehapparat im Haus hatte. Allerdings wurde Angèle nie eine wirkliche Filmschauspielerin. Sie hatte meist nur Einlageauftritte, bei denen sie jeweils ein Lied sang. Dann und wann war ihr Auftritt in eine kleine Sprechrolle eingebettet, aber wurde einfach Werbung für sie und ihr Lied gemacht.
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Ihren ersten wirklichen Hit konnte Angèle Durand mit dem schmissigen „So ist Paris“ erreichen. Es war die deutschsprachige Fassung von „Paris Canaille“. Aber trotz aller soliden Erfolge: Eine wirklicher Spitzenstar wurde sie hinsichtlich ihrer Plattenverkäufe nie. Das mag mehrere Gründe haben. Einer davon war ganz sicher, dass Caterina Valente bei ihrer Plattenfirma Polydor (und später Teldec) eben auch alle diese Lieder mit französischem Flair sang. Und in den Fünfzigern gab es hierzulande keinen beliebteren weiblichen Gesangsstar als die Valente – und sie „räumte ab“. Sie war omipräsent: auf Platte, im Film, im Radio und auch im Fernsehen. Da konnte Angèle Durand einfach nicht mithalten. Außerdem war sie typmäßig nicht die Idealbesetzung für ein Teenageridol. Andererseits: wenn sie Lieder wie „Hula Hop“ sang, dann waren das nicht die geeigneten Lieder, um ein Erwachsenen-Publikum an sich zu binden. Dabei hätte sie durchaus ein passendes Repertoire gehabt. Als Beispiele seien einmal ihre großartige Aufnahmen von „Ich fand ein Herz in Portofino“ oder „Er macht Musik am Motparnasse“. Leider erhielten solche Lieder nur wenig Werbung.
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Im privaten Bereich lief alles immerhin so gut, dass Angèle Durand und Nils Nobach am 18. August 1958 im bayerischen Rimsting am Chiemsee. Gisela Schlüter, die damals eine wöchentliche Kolumne in der Zeitschrift „Neue Illustrierte“ („Giselas Fernseh-Cocktail“) hatte, kommentierte in Ausgabe Nr. 38/1958 spitzzüngig das Ereignis:
Angèle Durand, die telegene belgische Baß-Amsel, hat den Schallplattenproduzenten Nils Nobach geheiratet. Kolleginnen behaupten, sie würde jetzt ein neues Lied in ihr Repertoire aufnehmen: „Aber der Nobach läßt mich nicht verkommen...!“
Nun ja, so ganz falsch war diese Einschätzung wohl auch nicht. Aber es ging nicht dauerhaft so weiter. Bereits im Herbst 1960 wird in der BRAVO Nr. 42/1960: „Angèle Durand (34) hat ihren langjährigen Vertrag mit „Electrola“ gelöst und will nur noch gelegentlich Aufnahmen für die Firma machen. Es soll oft Streitigkeiten gegeben haben.“
Das zeigt sich auch daran, dass Nils Nobach im November 1960 letztmals als ihr Produzent in Erscheinung tritt. Bei den wenigen Aufnahmen, die noch bis Oktober 1961 im Rahmen ihres Electrola-Vertrages stattfinden, fungiert jeweils Hans Bertram als Produzent. Aber auch privat hatten sich die Eheleute nicht mehr allzu viel zu sagen. Und so kommt es im Jahr 1961 zur Scheidung.
Aber Angèle Durand muss keine längere Durststrecke durchmachen. Sie nimmt im September 1961 eine Platte für Ariola auf - „Ja, ich bin die tolle Frau“ auf der A-Seite. Und dieses Lied wurde ein richtiger Hit – ob trotz oder wegen der einfachen Bummelplatz-Melodie sei einmal dahingestellt. Für Angèle Durand wurde es zu so etwas wie ihr persönliches Erkennungslied. Warum es aber trotz des großen Erfolges nur zu dieser einen Platte bei Ariola gekommen ist, vermag ich nicht zu sagen.
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Privat trat auch ein neuer Mann in ihr Leben: der holländische Entertainer Lou van Burg. Die beiden wurden ein Paar, obwohl van Burg noch verheiratet war, doch dessen Frau willigte nicht in eine Scheidung an. Angèle Durand, der immer mal wieder eine „Kümmerer-Mentalität“ nachgesagt wurde, kümmerte sich in den folgenden Jahren fast ausschließlich um Lou van Burg und dessen geschäftliche Interessen. Ihre eigene Karriere als Sängerin kam dabei völlig zum Erliegen. Andererseits ging es van Burg beim deutschen Fernsehen sehr gut voran. Zwar hatte er 1962 ein Tief, als man ihm die Showreihe „Sing mit mir, spiel mit mir“ wieder wegnahm. Eine bestimmte Kandidatin wurde eine Art Dauersiegerin und man vermutete, dass sie die Fragen bereits vorher wusste. Der Verdacht lastete auf dem charmanten Lou. Doch van Burg bekam 1964 eine neue Chance. Er wurde Showmaster der Spielshow „Der Goldene Schuß“. Das war ein richtiger Fernseh-Hit und Lou van Burg wurde einer der populärsten Personen im deutschen Fernsehen. Und Angèle kümmerte sich um alles – im Hintergrund. Auch wenn es mit der eigenen Karriere zunächst einmal vorbei war, es ging aber doch vorwärts. Das Paar wohnte in Angèles Haus am Chiemsee. Das das gemeinsame Glück dauerte nur wenige Jahre.
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Die Beziehung zu Lou van Burg endete nach Angèle Durands Aussage ganz unvermittelt. Van Burg teilte ihr mit, dass er seinen dritten Frühling habe und dass es mit ihnen beiden aus sei. Grund für diesen dritten Frühling war Marianne Krems, die zuletzt eine Assistentin von Lou van Burg war. Lou und Angèle hatten das Ehepaar Krems einige Jahre zuvor kennen gelernt. Beide Paare freundeten sich an, es gab viele private Kontakte. Als das Ehepaar Krems eine Tochter bekam, waren (natürlich) Angèle Durand und Lou van Burg die Taufpaten.
Irgendwann begann dann das Verhältnis zwischen van Burg und Frau Krems, das dann auch Mitte 1967 zur Trennung mit Angèle Durand führte. Diese war geschockt und aufgebracht. Die ganze Sache wurde von der Presse ziemlich ausgeschlachtet. Angèle wird z.B. wie folgt zitiert: „Ich habe fünfeinhalb Jahre nur für diesen Menschen gelebt, den ich sehr geliebt habe. Plötzlich soll ich nur noch Arbeitstrottel sein und die restliche Tourneen organisieren. Das ist schwer, sehr schwer.“ (Bild und Funk Nr. 29/1967, S. 2). Es gab kurzzeitig eine kleine Schlammschlacht. Lou van Burg bezichtigte seinerseits Angele Durand der Untreue, die ihn erst fortgetrieben habe, rechnete vor, wie viel Geld sie von ihm bekommen hätte.
Obwohl das breite Fernsehpublikum ihn im Allgemeinen richtig mochte, war diesmal die öffentliche Meinung sehr gespalten in Bezug auf Lou van Burg. In der „Frau im Spiegel“ Nr. 31/1967 gab es z.B: einen Artikel mit der Überschrift „Das Unerfreuliche an Herrn Lou van Burg“. Wie ging es weiter? Lou van Burg verlor seine ZDF-Hit-Show „Der goldene Schuß“. Als Nachfolger wurde zunächst Rudi Carrell genannt, dann aber übernahm Vico Torriani die Sendung. Im Zuge der ganzen Angelegenheit kam es dann doch noch zur Scheidung von Juliane van Weerdenburg. Mit dazu beigetragen hat möglicherweise auch die Geburt von Lous und Mariannes Tochter Yasmine. Nach den beiderseitigen Scheidungen heiratete das Paar. Schließlich bekamen sie noch eine gemeinsame Tochter (Stephanie). Karrieremäßig war Lou van Burg umtriebig wie immer, aber gemessen an seiner bisherigen Fernseh-Präsenz hatte er zunächst ein ziemliches Karriere-Tief durchzustehen. Aber das ZDF gab ihm 1976 nochmals die Chance auf ein Comeback zur Hauptsendezeit. Ein deutlich runder gewordener Lou van Burg moderierte Shows wie „Wir machen Musik“.
Noch ein Postskriptum zu Angèle Durands Beziehung zu Lou van Burg. Nach dem sich 1967 alles auf Lou van Burg eingeschossen und er den „Goldenen Schuß“ verloren hatte, verrauchte auch Angèles Groll auf ihren ehemaligen Lebensgefährten schnell. In Interviews machte sie deutlich, dass sie diese schlimme Entwicklung nicht gewollt habe und dass sie bereit sei ihm jederzeit zu helfen, wieder hoch zu kommen. Und als 1968 schließlich van Burgs Tochter Yasmine auf die Welt kam, wurde darüber berichtet, dass Angele Durand einen Glückwunsch-Rosenstrauß ins Krankenhaus geschickt hätte.
Nach dem spektakulären Aus der Beziehung mit Lou van Burg hatte Angèle Durand eine harte Zeit durchzustehen. Am Anfang sprach sie in Interviews von allen möglichen Plänen, sie erwähnte sogar eine Film-Hauptrolle, evtl eine eigne Fernseh-Show-Sendung usw.
Gelegentlich kann man davon lesen, sie hätte Platten aufgenommen und sei in Galas aufgetreten. Doch da werden einfach Ereignisse aus verschiedenen Zeitabschnitten durcheinander geworfen. In Wahrheit tat sich die Sängerin sehr schwer – und man musste eigentlich von einer Ex-Sängerin reden. Denn gerade in ihrem eigentlichen Metier kam sie zunächst nicht wieder auf die Beine. (Bereits in einem Bericht in der Bild und Funk Nr. 31/1967 wird sie als „ehemalige Schlagersängerin“ bezeichnet).
So kam es, dass sie im bayerischen Rimsting am Chiemsee in einem Haus, das sie sich noch in der gemeinsamen Zeit mit Nils Nobach erbauen ließ und in dem sie fünf Jahre zusammen mit van Burg wohnte, ein Schlemmerlokal einrichtete. Die Gaststätte nannte sie „Kupferkanne“. Die Möblierung war durchaus bayerisch-rustikal, aber die Tische und Stühle waren knallrot gestrichen. Angèle war in ihrem Lokal Mädchen für alles. Natürlich wird sie dies nicht als Ein-Personen-Betrieb geführt haben, aber – will man einem Bericht in der Neue Post Nr. 12/1970 („Frau Wirtin heißt Angèle Durand“) glauben – sie stand sowohl in der Küche und kochte, außerdem servierte sie und mixte auch Drinks. Wie das bei solchen Berichten in Zeitschriften auch ist, beantwortete sie die Frage, ob sie nicht ihre Tätigkeit als Sängerin im Scheinwerferlicht vermissen würde, mit einem klaren „Nein“. Natürlich klang das auch damals schon nicht recht überzeugend. Allerdings geht aus dem Bericht hervor, dass sie zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht mehr als Sängerin tätig war. Es ist im Gegenteil davon die Rede, dass weitere Räume des großen Hauses als Fremdenzimmer ausbauen wollte. Zu dem Ausbau ist es aber dann doch wohl nicht gekommen. Wie lange sie das Restaurant am Leben erhielt, ist mir ebenfalls nicht bekannt. Jedenfalls ist in einem Bericht über Angèle aus dem Jahr 1975 davon die Rede, dass es ein Fehlschlag gewesen sei. Zu ihrer eigenen Tätigkeit dort wird sie folgt zitiert: „Ich habe dort alles gemacht – von der Köchin bis zur Rausschmeißerin“.
Hinzu kamen gesundheitliche Probleme. Sie sprach davon, dass sie eine Nervenentzündung bekam und monatelang in einer Gipsschale schlafen musste. Dazu kam die Einsamkeit („Es gab niemanden, mit dem ich mich einmal hätte aussprechen können“). Das führte schließlich dazu, dass sie in einer Sendung mit dem Titel „Spätere Heirat nicht ausgeschlossen“ auftrat, in der bekannte, dass sie einen Mann suche. Der genaue Termin dieser Sendung ist mir nicht bekannt, es muss jedoch in der ersten Hälfte der 70er Jahre gewesen sein. In „Das Neue Blatt“ Nr. 30/1975 wird sie wie folgt zitiert: „Was darauf folgte, war entsetzlich. Ich habe so viele Beleidigungen und Demütigungen über mich ergehen lassen müssen, dass ich heute nur sagen kann: Es war die Hölle!“.
In den HÖR ZU-Ausgaben Nr. 9/1972 und 1/1975 ist jeweils wieder von Aufnahmen für eine neue LP die Rede. Die 1972er Meldung gibt sogar einen Titel an „Drehbuchbuch meines Lebens“). Bei der 1975 ist von bekannten Chansons aus Frankreich, die sogar schon aufgenommen seinen. Es ist jedoch nicht sicher, ob diese Aufnahmen damals tatsächlich entstanden sind. Jedenfalls habe ich keine Informationen über daraus resultierende Langspielplatten.
Allerdings ist dann das Jahr 1975 doch so etwas wie ein Wendepunkt in ihrem Leben. Zunächst einmal ist von einer Liebesbeziehung zu dem sechs Jahre jüngeren Modeschöpfer Jürgen Hartmann die Rede. Beruflich gelingt es Angèle Durand endlich wieder, wirkliche Kontakte für ihre künstlerische Tätigkeit anzuknüpfen. Zunächst ist sie aber wohl noch nicht selbst als Interpretin tätig. In HÖR ZU Nr. 39/1975 ist davon die Rede, dass sie im Hamburger Revue-Ballhaus „Alkazar“ die künstlerische Leitung habe. Weiterhin von einer dort auftretenden Pariser Tanztruppe mit dem Namen „Garcons Terribles“ (also den schrecklichen Jungs) die Rede.
Der Schritt zurück auf die Bühne auf die Bühne beginnt etwas zufällig im Rahmen einer Vernissage, bei der ihr am Rande die Mitwirkung an dem Musical „Wedding Mary“ am Schleswig-Holsteinischen Landestheater angeboten wird. Das Engagement kommt zustande und wird schließlich der Startschuss für eine Bühnenkarriere, die bis zu Ende ihres Lebens andauern wird. Sie macht damit keine spektakulären Schlagzeilen mehr, bei denen das ganz große Geld zu verdienen ist, aber der Blick auf ihre Auftritte (siehe: Bühnen-Auftritte) zeigt doch, dass es sich um vielfältige und interessante Aufgaben handelt. Immerhin dauert diese Periode in ihrer Karriere ein volles Vierteljahrhundert.
Im Fernsehen tritt sie in dieser Zeit nur noch selten auf. Sie wirkt z.B. mit in der ZDF-Nostalgieshow „So wird's nie wieder sein“ (TV: 23.10.1980), die ausgerechnet von Lou van Burg moderiert wird. Dabei trifft sie auf viele ihrer musikalischen Weggefährten aus den 50er Jahren. In den 90er Jahren ist sie auch einmal in einer Talkshow mit den Titel „Fröhlich eingeSchenkt“, wobei der „Schenk“ im Titel natürlich Heinz Schenk als Gastgeber ist.
Auf eine kurze Rolle als Schauspielerin sei noch hingewiesen. In der von Jürgen Roland inszenierten „Tatort“-Folge „So ein Tag“ (TV: 07.02.1982 ARD) spielt sie eine alternde Prostituierte Lilli, die im Polizeirevier herumkrakelt. Es ist nur eine kleine Rolle, aber die Durand spielt das einfach herrlich. Ihr Auftritt endet damit, dass sie aus dem Revier heraus tänzelt und dabei „Ja, ich bin die tolle Frau“ ansingt.
Meist war Angèle bei ihren Bühnenauftritten Mitglied eines Ensembles. Doch 1984 stellte sie sich noch einmal ein spektakuläres Solo-Programm zusammen. Zum 100. Geburtstag der „Original-Berliner“ Kaberett-Legende Claire Waldoff, die aber ursprünglich aus Gelsenkirchen stammte, trat Angèle Durand in einem Programm mit Waldoff-Couplets – natürlich in Gelsenkirchen. Die Lieder wurden auch aufgenommen und 1995 von Bear Family auf der CD „Lieder der Claire Waldoff“ veröffentlicht. Diese Lieder passten sehr gut zur Durand, die wieder eine Nuance ihrer Vielseitigkeit zeigen konnte.
Seit Mitte der 80er Jahre wohnte Angèle Durand in Düsseldorf. Das passte auch deshalb, weil der Kernbereich ihrer Bühnentätigkeit seit den Mitte der 70er Jahre eindeutig im Bereich Nordrhein-Westfalen lag.
Ihr Tod kam dann - von außen betrachtet – doch sehr überraschend. Sie stand bis zuletzt voll im Beruf. Sie befand sich in Augsburg für eine Aufführung der Operette „Der Vetter aus Dingsda“. Aufgrund einer Erkrankung konnte sie aber schon nicht mehr an den Proben teilnehmen. Angèle Durand verstarb am 22. Dezember 2001 im Alter von 76 Jahren.
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