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Maria Mucke
geboren am 15. August 1919
Zur Person
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Maria Muckes Karriere als Sängerin währte nur relativ kurz. Sie ist heute weitgehend einer breiten Öffentlichkeit nicht mehr bekannt. Aber es gelang ihr doch, in ihrer Zeit als Sängerin einige Akzente zu setzen. Außerdem ist sie ein gutes Beispiel dafür, dass das Leben eben auch nach einer öffentlichen Karriere noch sehr ausgefüllt sein kann. Gelegentlich kann man sie noch im Fernsehen sehen, wo sie meist über die ersten Nachkriegsjahrzehnte befragt wird bzw. zu Weggefährten von damals. Was dabei sofort eklatant ins Auge fällt, ist die absolute geistige Frische, die Maria Mucke noch hat. Sicher frei von finanziellen Problemen ist sie, der man ihr Alter wirklich nicht ansieht, (von außen betrachtet) fast so etwas wie eine Werbung für das Älterwerden.
Sie wurde am 15. August 1919 in Mainz geboren und zunächst auch dort aufgewachsen. Sie hatte noch einen sieben Jahre jüngeren Bruder. Das Elternhaus war ziemlich begütert und sehr liberal eingestellt, bereits seit ihrem zweiten Lebensjahr hatte die Familie zum Beispiel ein Auto. Ihr Vater war an allen technischen Dingen sehr interessiert. Aber er war auch sehr musikalisch, was auf die Erziehung von Maria einen günstigen Einfluss hatte. Der Vater spielte sehr gut Klavier, und zusammen mit Freunden wurden regelrechte Hauskonzerte gegeben.
Bereits 1925 hatte Maria ihren ersten öffentlichen Auftritt. Bei einer Fastnachts-Veranstaltung führte sie einen Holzschuhtanz nach Albert Lortzings Oper „Zar und Zimmermann“.
Später zog die Familie – bedingt durch den Beruf ihres Vaters – ins größere und geschäftigere Leipzig um. Dort hatte die Familie Abonnements für die Konzerte im berühmten Gewandhaus. Der Vater führte Maria aber vor den Konzerten in die gegebenen Stücke ein – mit Partituren und allem was dazugehört. Damit vertiefte er natürlich das Verhältnis seiner Tochter zur Musik.
Maria Mucke hatte selbst den Wunsch Sängerin zu werden, doch ein Lehrer, der sie prüfte, riet der damals 15jährigen, mit einer Ausbildung noch zu warten, da sie nur über eine kleine Stimme verfüge, die bei vorzeitiger Überforderung ruiniert werden könne.
In der Oberschule für Mädchen (die Maria Mucke später mit dem Einjährigen beendete), gab es aber Theateraufführungen der älteren Schülerinnen. Auch Maria trat in einer solchen Aufführung auf. Dem bildungsbürgerlichen Anspruch entsprechend war es aber nicht ein gängiger Gassenhauer, sondern das 1802 uraufgeführte Schauspiel „Die deutschen Kleinstädter“ von August von Kotzebue. Immerhin war Maria Mucke darin wohl so überzeugend, dass man ihr Mut machte, es generell einmal mit der Schauspielerei zu versuchen.
Sie begann dann auch tatsächlich eine Ausbildung an der Schauspielschule. Ihre Lehrerin dort war die berühmte Charakter-Darstellerin Lina Carstens, die nicht nur in vielen Filmen (meist in gehobenen Nebenrollen) mitspielte, sondern auch in den siebziger Jahren als Oma Guthmann in der extrem populären Fernsehserie „Der Bastian“ (mit Horst Janson in der Titelrolle) auch noch persönlich bekannt wurde, und sogar eine Titelrolle in eine, Kinofilm spielte.
Maria Mucke erinnerte sich später diesem Lebensabschnitt als eine wunderbare Zeit. Die Schauspielschule war wohl den städtischen Bühnen Leipzig angeschlossen. Bereits nach einem Vierteljahr spielte sie dort erste Rollen. Nach einem halbe Jahr erweiterte sie ihr Spektrum noch und ließ sich auch noch im Bereich Gesang ausbilden.
Das Jahr 1939 bedeutete jedoch einen wesentlichen Einschnitt in ihrem Leben. Im Juli dieses Jahres starb ihre Mutter, wenig später begann der Krieg, und ihr Vater, der Reserveoffizier war, wurde eingezogen. Damit wurde der gerade erst 20 Jahre alt Gewordenen die bisherigen Stützen ihres doch behüteten Lebens weggenommen. Sie ging dann ans Nationaltheater nach Weimar, was aber auch – wie sie später einmal sagte - „ein Stückchen familiäre Flucht“ war.
Dort spielte Maria Mucke dann querbeet alles was sich anbot, eine regelrechte Karriereplanung, hat sie nach eigener Aussage nie betrieben, sie ließ eher alles auf sich zukommen. Es gab aber wohl zumindest gelegentlich Bunte Abende in Weimar, bei denen Maria Mucke auch als Soubrette bereits Gesangsauftritte hatte.
Diese erfüllte Zeit endete jedoch mit dem sogenannten „Totalen Krieg“, der auch zur Folge hatte, dass die Theater geschlossen wurden. Maria Mucke und ihre Kollegen wurden nach Arnstadt (bei Weimar) in die dortige Siemens-Fabrik dienstverpflichtet. Dort lernte sie zu löten und Draht zu schneiden, doch besonders viel hatte sie nicht zu tun. 2002 erzählte sie, dass der Chor und das Ballett tatsächlich arbeiten mussten, die Solisten des Theaters aber mehr oder weniger meist herumgesessen hätten. Lediglich bei Kontrollen hätten sie wirklich gearbeitet.
Weimar wurde zwar nicht so sehr von Kriegszerstörungen betroffen, wie viele andere Städte, aber das geliebte Theater wurde von Bomben getroffen und brannte aus. Bei Kriegsende stellte sich die Frage, wie es weitergehen sollte. Ihr Vater und ihr Bruder waren beide in Kriegsgefangenschaft. Als klar wurde, wie sich die Besatzungszonen etablieren würden, ging Maria Mucke in die amerikanische Zone nach Wiesbaden zu einer Tante und ihrem Mann, die dort lebten.
Das Bedürfnis nach Unterhaltung war groß, und nach kurzer Zeit gab es auch schon wieder Veranstaltungen für Deutsche. An einem Zeitungsgeschäft sah Maria eines Tages einen Anschlag, mit dem Künstler für Veranstaltungen gesucht wurden. Maria Mucke hatte die Noten für drei Lieder mit nach Wiesbaden bringen können (darunter „Duliö (Beim ersten Glas da ist man selig)“ und „Du und ich im Mondenschein“). Das war sehr wichtig, damit sie in einer Zeit des Mangels in allen Bereichen, überhaupt begleitet werden konnte. Das besorgten ein junger Musiker namens Paul Kuhn und seine Swingstars.
Bald danach hatte Maria Mucke dann die Gelegenheit Willy Berking, dem Leiter des Tanzorchesters des Hessischen Rundfunks vorzusingen. Dies geschah am Freitag, den 13. August 1948. Ihre Stimme gefiel und der Hessische Rundfunk wurde zu ihrem Haussender.
Das hatte freilich noch einen anderen Grund. Sie lernte dort Hans-Otto Grünefeldt kennen, damals Sendeleiter Hörfunk und Chefsprecher beim HR, später Fernsehprogrammdirektor des HR und auch noch ARD-Koordinator für den Bereich Unterhaltung. Er war damals einem breiteren Publikum – aufgrund gelegentlicher Fernsehauftritte – durchaus ein Begriff. Der Hessische Rundfunk hatte damals – gerade im Bereich Unterhaltung – eine hervorgehobene Stellung. Unter anderen konnten hier Peter Frankenfeld und Hans Joachim Kulenkampff ihre ersten Erfolge feiern.
Maria Mucke und Hans-Otto Grünefeldt heirateten 1950. Die Ehe blieb bestehen bis zu Grünefeldts Tod im Jahre 1991. Das Paar hatte eine Tochter (Susanne, geboren 1951), die sich auch zeitweilig als Schauspielerin versuchte, z.B. 1966 in dem Fernsehfilm „Der glückliche Prinz“. Bereits ein Jahr zuvor traten Mutter und Tochter auch einmal gemeinsam im Fernsehen auf (in Gisela Schlüters Show „Zwischenmahlzeit“).
Mehr als vergleichbare andere Sängerinnen war Maria Mucke eine Rundfunksängerin. Obwohl sie für zahlreiche Rundfunkanstalten arbeitete, so wurde jedoch der Hessische Rundfunk so etwas wie ihr Haussender. Das hatte natürlich auch mit ihrem Ehemann zu tun, war aber aufgrund der räumlichen Nähe insofern praktisch, als es ihr erleichterte, Karriere und Familienleben unter einen Hut zu bringen.
Aber sie wurde auch von den anderen Sendern eingesetzt. Für den WDR arbeitete sie in den Jahren 1951 – 1958 an vier Gesamtaufnahmen von Operetten bzw. Singspielen. Die erste Arbeit war hier „Im weißen Rössl“ (Musik: Ralph Benatzky u.a.). Allein die weibliche Besetzung ist hier schon zum Zungeschnalzen: Neben Maria Mucke sangen hier noch Gretl Schörg, Gitta Lind und Lonny Kellner. Dann gab es noch „Lump mit Herz“ (Musik: Hans Carste), „Himmelblaue Träume“ (Musik: Robert Stolz), „Liselott“ (Musik: Eduard Künneke) und „Der letzte Walzer“ (Musik: Oscar Straus).
Doch es waren natürlich nicht nur die Rundfunkarbeit, die Maria Mucke in Erscheinung treten ließ. Sie war z.B. 1950 die Erstinterpretin des bekannten „La-Le-Lu“-Schlagers, der durch die zahlreichen Fernsehausstrahlungen von Heinz Rühmanns Film „Wenn der Vater mit dem Sohne“ aus dem Jahr 1953, auch noch Jahrzehnte später eine große Bekanntheit hatte. Zu Maria Muckes ansonsten bekanntesten Schlagern zählen z.B. „Es wird ja alles wieder gut“, „Leg’ deine Hand in meine Hand“ und vor allem „Heut’ ist ein Feiertag für mich“.
Ihre frühen Schallplattenaufnahmen macht sie für die österreichische Austroton und auch für Polydor. Doch seit 1951 arbeitete sie vor allem für Philips – doch nicht ausschließlich. 1954 und 1955 hatte sie an einigen der sehr populären Operetten-Querschnitte und Komponisten-Porträts mitgewirkt, die Franz Marszalek in Köln aufnahm. Diese Aufnahmen wurden ein einer langen Reihe als EPs von Polydor herausgebracht.
Der Titel von Maria Muckes bislang einziger CD lautet „Kein Wölkchen am Schlagerhimmel“. Das ist eine ausgesprochen treffende Benennung. In der Tat vermittelte die Sängerin keine Probleme. Alles war ausgesprochener Wohlklang. Dazu konnte sie ihre Stimme klingen lassen. Das war ideal für ein Entspannung suchendes Publikum. Andererseits gab es auch so etwas wie Einförmigkeit. Eine wirkliche musikalische Vielfalt (wie etwa bei Caterina Valente) gab es bei Maria Mucke nicht.
Gegen Ende der 50er Jahre änderte sich die Situation auch für Maria Mucke. Ihr melodiöser Stil war nicht mehr so gefragt, wie in den Jahren zuvor. Der Musikgeschmack hatte sich verändert, rhythmischer geprägte Lieder dominierten jetzt das Geschehen. Der Plattenvertrag mit Philips lief aus. Das bedeutete noch nicht das Ende ihrer Schallplattenkarriere, doch sie trudelte allmählich aus. Sie machte noch Aufnahmen für Odeon, Metronome, und Victoria. 1964 erschien ihre letzte Single-Veröffentlichung.
Die Gründe für dieses Herunterfahren waren beruflicher und privater Natur. Zum einen war ihr Stil eindeutig nicht mehr so gefragt wie noch zehn Jahre vorher, zum anderen wollte sie auch ihre Ehe nicht gefährden durch zu häufige Abwesenheit. Außerdem kam ihre Tochter gerade ins Teenager-Alter...
Da ihr Mann mit seiner Fernseharbeit stark eingespannt war, trat sie ins zweite Glied zurück. Sie kümmerte sich um ihre Familie. Es war wohl nicht ein wirklich geplantes Ende, denn sie arbeitete immer noch – wenn auch nicht kontinuierlich – im Showbereich. Es gab gelegentliche Auftritte in den beiden legendären Showreihen des Hessischen Rundfunks, „Einer wird gewinnen“ mit Hans-Joachim Kulenkampff und „Zum Blauen Bock“, zuerst mit Otto Höpfner, später mit Heinz Schenk. Außerdem spielte sie in der immens erfolgreichen, achtteiligen Reihe „Der Forellenhof“, Maria Mucke war ab Folge 4 mit dabei.
Zur Schallplattenbranche gab es nur noch gelegentliche Abstecher. Sie nahm einige Märchenplatten auf und beteiligte sich 1976 an einer LP zu Gunsten des Deutschen Naturschutzrings. Sie sang hier das Lied „Laßt die Blumen stehen und den Strauch“. Im Fernsehen gab es auch ein paar Auftritte in musikalischen Nostalgie-Shows.
Die Leere, die nach dem Tod ihres Mannes im Jahre 1991 in ihr Leben zu treten drohte, führte zu einem nochmaligen langjährigen Engagement. Dafür wechselte sie allerdings die Fronten. Sie trat jetzt nicht als Sängerin oder Schauspielerin auf, sondern wechselte zu einer Lehrtätigkeit, in der sie ihre vielfältigen Erfahrungen weitergeben konnte.
Ab 1992 arbeitete sie 15 Jahre lang als Dozentin für Schlager und Chanson an der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt. Aber auch das aktive Arbeiten auf einer Bühne ließ sie nicht ganz los. 1993 gab trat sie in dem legendären Schwank „Der Raub der Sabinerinnen“ am Frankfurter Volkstheater auf.
Die umtriebige Sängerin, Schauspielerin und Dozentin lebt in Kronberg im Taunus.
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