Rita Paul
Zur Person
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Nein, auch ich weiß nicht, was aus Rita Paul geworden ist, wie es ihr geht und was sie heute macht. Die letzten Meldungen sind schon mehr als zwei Jahrzehnte alt. Es bleibt die Erinnerung an eines der größten Talente, das die deutsche Unterhaltungsmusik je hatte. Aufgrund ihres Aussehens, ihrer ungezwungenen und lockeren Art der Darbietung und ihrer natürlichen Musikalität hätte sie im Grunde alles erreichen können. Aber weil sie so viel Begabung mitbrachte, musste sie sich (jedenfalls von außen betrachtet) nichts wirklich hart erarbeiten. In ihrer ganz großen Zeit, den späten vierziger und frühen fünfziger Jahren, fiel ihr anscheinend alles fast wie von selbst zu.
Als sie dann – nach mehrjähriger Pause – wieder neu starten wollte, das Publikum aber zwischenzeitlich neue Stars gefunden hatte, zeigte es sich, dass sie nie so etwas wie eine echte Karriereplanung hatte. Sie konnte sich nicht wirklich umstellen und eine neue Karriere erarbeiten. Es kamen aber auch private Turbulenzen und massive gesundheitliche Beeinträchtigen dazu. Und so richtet sich heute der Blick zurück auf vergleichsweise wenige Jahre.
Wie es begann
Rita Brigitte Paul kam am 2. Dezember 1928 in Berlin-Charlottenburg zur Welt. Ihre Eltern arbeiteten zusammen im Café der Großeltern. Ihr Vater, der übrigens schon ein ganz früher Jazz-Fan war und entsprechende Schellack-Platten besaß, wurde später Taxifahrer. Schon sehr früh machte die kleine Rita erste Schritte im Bereich des Show-Geschäfts. Sie trat in verschiedenen Chören auf (Kinderchor des „Plaza“-Varietes, Emmy Goedel-Dreysings Kinderchor), wirkte in „Kraft-durch-Freude“-Veranstaltungen mit und hatte in einem Märchenspiel mit dem Titel „Prinzessin Huschewind“ einen ersten Soloauftritt.
Der Fortgang des Krieges führte schließlich zum „Totalen Krieg“ und - damit verbunden - zur Schließung der Theater und Varietes. Rita wurde 1944 mit ihren 15 Jahren in eine Fabrik ins niederschlesische Glogau dienstverpflichtet, wo sie an einer Drehbank arbeitete. Allerdings hatte sie dort noch Gelegenheit, nachmittags noch Tanzunterricht zu bekommen. Die dort erworbenen Fähigkeiten wurden gleich praktisch umgesetzt bei Auftritten in Soldaten-Lazaretten.
Vor den einrückenden sowjetischen Truppen konnte sich Rita noch in einem Güterzug über Chemnitz nach Berlin durchschlagen. Dort konnte sie aber nicht lange bleiben. Sie fuhr in die Uckermark und musste dort eine kranke Tante und deren vier Kinder versorgen. Die hübsche Rita war natürlich auch ein Anziehungspunkt für die sich dort aufhaltenden Soldaten. Ihre erste Liebe wurde ein junger Belgier, der Angehöriger der Waffen-SS war. Als aber auch dorthin sowjetische Truppen kamen, setzte sich Rita in nord-westliche Richtung ab und gelangte Wochen später nach Lübeck. Aufgrund der ungenügenden hygienischen Verhältnisse fing sich Rita, wie auch viele andere Schicksalsgenossen, sowohl Läuse als auch die Infektionskrankheit Ruhr ein. In Lübeck kam sie zunächst in ein Internierungslager für Italiener, wo sie sich einer Familie anschloss, die ihr sehr half.
Da aber der Krieg zu Ende war, galt es nun, wieder nach vorn zu sehen. Im Lübecker Café Niederegger in der Fleischhauergasse traf sich eine Truppe, die musikalische Auftritte veranstalten wollte. Einer dieser Leute war der später sehr bekannte Arrangeur, Bandleader und Komponist Arno Flor. Rita schloss sich der Truppe an und wurde fortan zur Sängerin. Zwar hatte sie vorher noch nicht öffentlich gesungen, aber sie hatte von ihren früheren Auftritten das nötige Selbstbewusstsein. Außerdem stellte sich schnell heraus, dass sie einfach eine Naturbegabung war. Nach einem Vierteljahr kam dann das Aus für die Gruppe, nachdem sich der Chef des Ensembles abgesetzt hatte.
Aber Rita ließ sich nicht entmutigen. Sie fand sofort weitere Beschäftigungen durch Auftritte in englischen Lazaretten, für die selbstverständlich englische Nummern drauf haben musste. Es folgten Auftritte in Soldatenclubs, auch in Hamburg am Hauptbahnhof. In Hamburg hatte Rita ihren ersten richtig großen öffentlichen Erfolg bei einem Konzert, mit einer von Walter Jenson geleiteten Band.
Die große Karriere
1947 aber kehrte Rita Paul wieder in ihre Heimatstadt Berlin zurück. Ihr Vater war inzwischen auch aus dem Krieg zurückgekehrt, die Mutter arbeitete als Waschfrau für russische Soldaten. Die Familie hatte sich auch um einen Nachzügler, Ritas Bruder Michael, vergrößert. Kurzzeitig nahm Rita auch Gesangsunterricht. Doch das war nicht ihre Welt. Sie war eine durch und durch intuitive Sängerin, die außerdem die Unbekümmertheit und den Optimismus einer Achtzehnjährigen hatte.
Sie stellte sich beim (Ost-)Berliner Rundfunk vor und zwar genau bei dem Walter Jenson, mit dem sie in Hamburg ihren ersten großen Erfolg erzielt hatte. Jenson, der inzwischen ebenfalls nach Berlin zurückgekehrt war und beim Berliner Rundfunk arbeitete, ließ Rita kurz vorsingen und engagierte sie sofort (ohne eine Mikrophonprobe) als eine Gesangs-Solistin des RBT-Orchesters. Ebenfalls im Jahr 1947 schieden die beiden bisherigen RBT-Gesangs-Solistinnen Margot Friedländer und Ingrid Lutz aus. Der Hintergrund für beide Maßnahmen ist mir nicht bekannt. Bei Ingrid Lutz deutete sich eine Hinwendung zur Schauspielerei an, aber ob Margot Friedländer wirklich das RBT-Orchester verlassen wollte, weiß ich nicht. Entweder sie konnte anderweitig mehr verdienen, oder das Erscheinen der jungen attraktiven Rita Paul hat sie an den Rand gedrängt.
Bereits Anfang 1947 kam es auch schon zu ersten Schallplattenaufnahmen für Rita Paul. Sie wurde von der Amiga unter Vertrag genommen. Zu diesem Zeitpunkt war in der Sowjetzone noch eine ziemliche Freiheit hinsichtlich des Repertoires vorhanden. Und so konnte Rita sowohl auf Platte als auch im Rundfunk auch amerikanische Lieder singen. Etliche dieser Lieder lagen ihr wegen der swingenden Grundrichtung besonders.
Schon im Mai 1947 sang sie in der legendären Berliner Waldbühne bei einer Veranstaltung vor 25.000 Besuchern. Rita sang dort „Minnie From Trinidad“ und begeisterte die Menschen. Aber Rita trat nicht nur in Berlin auf. Sie reiste auch viel herum. Aufgrund ihrer Brötchengeber war sie vor allem in der sowjetischen Zone unterwegs und wurde dort entsprechend populär.
1948 kam es dann zu einer ersten Zusammenarbeit mit dem Sänger, mit dem sie in der Erinnerung des Publikums wohl auf ewig verbunden bleiben wird: Bully Buhlan. Bully nahm damals ebenfalls Platten für die Amiga auf. Und da lag es nahe, beide Künstler einmal zusammenzuspannen. Das war nicht unbedingt eine revolutionäre Idee. Rita Paul sang auch Duette mit anderen Partnern, etwa mit Ilja Glusgal oder Peter Cornehlsen, dem Chef des Cornel-Trios. Auch Buhlan hatte andere Partnerinnen. Aber irgendwie war es hier anders. Hier war von Anfang an das gewisse Etwas, das das Publikum von vorn herein gefangen nahm.
Schon bei ihrer ersten gemeinsamen Aufnahme, „Nach Regen scheint Sonne“, hört man, dass hier einfach alles zusammenpasst. Der leichte Umgang miteinander, das immer gegenwärtige Augenzwinkern, die Selbstverständlichkeit mit der sie ihre Lieder auch jazzig darboten. All das kommt bereits rüber, wenn man die Lieder nur hört. Sieht man aber einige der Bilder oder sogar Filmausschnitte von gemeinsamen Auftritten, dann wird klar, dass sie sich auch in der optischen Wirkung wunderbar ergänzten.
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Sie waren das musikalische Traumpaar der späten vierziger und frühen fünfziger Jahre. Vielleicht die ersten, die ihnen hier wirklich das Wasser reichen konnten, waren - auf eine ganz andere Art - Caterina Valente und Peter Alexander.
Rita Paul hatte Temperament, sah gut aus, war keck, sexy, lustig, peppig und ungezwungen. Dazu kam ein – wie es einmal genannt wurde – „Hab mich lieb“-Blick, dem sich insbesondere die Männer kaum entziehen konnten. Und neben all dem war da natürlich ihre intuitive Musikalität, die sicher auch durch die frühen Jazz-Platten des Herrn Papa inspiriert und geschult wurde.
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Privates und Amerika
Privat ging es recht turbulent zu. Sie hatte ein längeres Verhältnis mit einem Schokoladenfabrikanten und stadtbekannten Playboy namens Jürgen „Bud“ Monheim. Später hat Rita einmal zugegeben, dass es bei ihr „eine große Liebe“ gewesen sei. Die HÖR ZU meldete in ihrer Ausgabe Nr. 10/1951 von einer bevorstehenden Hochzeit des Paares. Neun (!) Wochen später (in Ausgabe 19/1951), gab es dann ein Dementi. Wohlbemerkt – nicht dass sich die Sache zerschlagen hätte – sondern weil die Meldung aus Nr. 10 falsch sei, da Herr Monheim bereits seit sieben Jahren verheiratet sei und nicht an eine Scheidung dächte. Da hat der gute Herr Monheim aber lange gebraucht, um sich daran zu erinnern. Für ihn war das Ganze wohl mehr eine nette Sache nebenher (Aussage von ihm: „Unsere Liebe war mehr eine Liebe, wie sie eben zwischen einem jungen Ding und einem verheirateten Mann ist.“). Aber auch noch später in diesem Jahr – im Dezember 1951 – verkündete die Film Revue in Ausgabe Nr. 26/1951 sogar, sie sei „verheiratet mit einem Schokoladenfabrikanten“. Aber noch war es nicht soweit mit einer Heirat. Das bahnte sich erst im Folgejahr an.
Anfang 1952 gab es in der Zeitschrift „Revue“ einen Bericht, wonach amerikanische Zeitschriften sich negativ über die bei den GIs so beliebten deutschen Fräuleins geäußert hätten. Aufgrund dieses Berichts erschien im März 1952 ein Leserbrief aus dem fernen Texas von einem F.A. v. Pilgrim, in dem sich dieser von den „schmutzigen Lügen“ in „unseriösen Zeitschriften“ distanziert. Dann kam ein entscheidender Satz: „Ich kenne deutsche Mädchen nur von einer guten Seite – tatsächlich würde ich sehr gern eine zur Frau nehmen...“. Sicherlich nicht zuletzt wegen dieses Satzes erhielt der junge Mann 850 bzw. 950 (die Zahlenangabe ist je nach Quelle unterschiedlich) „Dankesbriefe“ deutscher Frauen. Eine von ihnen war Rita Paul. Daraus entwickelte sich zunächst eine briefliche Bekanntschaft, dann eine persönliche, die schließlich in einer Heirat mündete.
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Wer war dieser F.A. von Pilgrim? Fritz Adolf von Pilgrim war deutsch-stämmig. Irgendwo habe ich gelesen, er wäre im Baltikum zu Hause gewesen. Er kam wohl erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs nach Amerika. Dort trat er in die US-Airforce ein und befand sich schon bald wieder in Europa - als Flieger der Berliner Luftbrücke. 1952 war er dann als Bomberpilot einer Kampfeinheit in der Airforce-Base in Randolph, Texas, stationiert.
Ende Mai 1953 heirateten Rita und Fritz schließlich. Die kirchliche Trauung fand in einer alten Dorfkirche in Berlin-Lichterfelde statt.
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Das bedeutete zunächst das Ende von Rita Pauls Karriere in Deutschland. Das frischgebackene Ehepaar zog in die USA und siedelte sich in Los Angeles an. Dort widmete sich Fritz von Pilgrim einem Elektronik-Studium, während Rita zunächst ausschließlich Hausfrau war. Dann stellte sich Nachwuchs ein. Im August 1954 kam Ritas einziges Kind, Tochter Patrice, zur Welt.
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1955 gab es dann ein kurzes berufliches Zwischenspiel in Deutschland. Sie nahm einige Lieder auf und wirkte in zwei Spielfilmen mit. In der Neuverfilmung von „Die Drei von der Tankstelle" hatte sie zwar nur zwei Gesangsauftritte, aber die waren von Feinsten. Gemeinsam mit dem Cornel-Trio sang sie wunderbare Versionen von „Das mach' ich alles mit der linken Hand" und „Liebling, mein Herz läßt dich grüßen". Das war großartiger Gesang.
Außerdem hatte sie Auftritte in Berlin im Sportpalast und in der Waldbühne.. Anschließend ging es zusammen mit Werner Müller und dem RIAS-Tanzorchester auf eine große Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Danach kehrte sie wieder zurück nach Amerika. Mit der Ehe lief es aber nicht gut. Die Eheleute entfremdeten sich mehr und mehr. Ehemann Fritz zog aus der gemeinsamen Wohnung aus.
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Es lag nahe, dass Rita nach all ihren Erfolgen das Showgeschäft nicht einfach so abstreifen konnte. Andererseits war es ganz und gar nicht die Welt ihres Ehemannes. Rita versuchte jetzt, in den USA eine Fortsetzung ihrer Karriere. Es ist von drei amerikanischen Filmen die Rede, in denen sie mitgewirkt hat. Zwei davon konnte ich ausfindig machen („Under Fire“ und bezeichnender Weise „Fräulein“ aus den Jahren 1957 und 1958). Der dritte Film ist mir leider unbekannt. Außerdem war Rita auch in ihrem eigentlichen Element – der Musik – tätig. Sie nahm für das Label Protone einige Jazz-Platten auf. Allerdings konnte sie mit keiner dieser Aktivitäten so viel Aufmerksamkeit erringen, dass es ihrer Karriere wirklich neuen Schwung gebracht hätte.
Rita und Fritz kamen aber wohl kurzzeitig noch einmal zusammen. Als dann aber ihr Mann einen Job bei der Weltraumforschung in Cape Canaveral in Florida ergattern konnte – was natürlich einen Umzug dorthin zur Folge gehabt hätte – und damit eine – wohl endgültige – Abkehr Ritas vom Showgeschäft bedeutet hätte. Es kam zum Bruch. Rita wollte zurück nach Deutschland – und Fritz hatte nichts dagegen. Jahre später äußerte sich Rita Paul einmal dahingehend, dass sie in unterschiedlichen Welten lebten. Von seiner Welt sagte sie: „Es war eine Welt der Mathematik, der Zahlen, der Computer“. Ihre Welt hingegen war das Showgeschäft.
Rückkehr - aber kein Comeback
Rita Paul kam im August 1959 wieder in Deutschland an – zusammen mit ihrer Tochter Patrice. Aber die Situation in Deutschland war eben anders als damals bei ihrem Weggang. Es herrschte keine Euphorie darüber, dass sie wieder da war. Sie konnte gerade mal eine Filmrolle ergattern – im Jahr darauf in „Wenn die Heide blüht“. Das war durchaus eine solide Rolle für sie, aber es bedeutete andererseits auch schon das Ende ihrer Filmkarriere. Zu weiteren Mitwirkungen kam es nicht mehr.
Die Gesamtsituation desillusionierte Rita Paul. Sie sprach von einer möglichen Rückkehr zu ihrem Mann und nach Amerika. Doch dazu kam es nicht. Sie blieb in Deutschland und musste eben sehen, was sich hier ergab. Dabei hatte sie nichts verlernt. 1961 bekam sie einen Plattenvertrag bei Philips, wo einige Singles herauskamen, die sich aber nicht so gut verkauften wie erhofft. Im Fernsehen trat sie auch wieder mit Bully Buhlan auf, und beide machten auch einige Plattenaufnahmen zusammen. Doch das war nicht mehr das Traumpaar von einst, das sich gut vermarkten ließ. Nein, die jetzigen Aufnahmen benötigte man für Berlin-LPs, bei denen die Stadt eindeutig im Mittelpunkt stand. Rita und Bully wurden noch nicht einmal auf der Plattenhülle abgebildet. Aber das tut der nach wie vor vorhandenen Qualität ihrer Darbietungen keinen Abbruch. Die alte Harmonie war immer noch da, nur interessierte sich halt in den frühen Sechzigern kaum jemand dafür.
Aber Rita Paul wagte sich auch auf ein ganz neues Terrain – das politische Kabarett. Sie wurde (allerdings nur kurz) Mitglied in Günter Neumanns legendärer Berliner Kabarett-Truppe „Die Insulaner“. Diese hatten ihre ganz große Zeit in den späten vierziger und in den fünfziger Jahren. In den sechziger Jahren trudelte die Insulaner-Zeit langsam aus – bis zum völligen Ende 1968. (Bear Family hat eine wunderbare CD-Box und eine Einzel-CD mit Insulaner-Aufnahmen herausgebracht; leider ist Rita Paul dabei nicht vertreten).
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Obwohl die Insulaner 1962 ihren Zenit überschritten hatten (der wunderbare Walter Gross war z.B. schon nicht mehr dabei), so bedeutete doch das Engagement Rita Pauls eine Art Frischzellenkur für das doch etwas ältliche Ensemble. Sie brachte mit ihren Darbietungen das Element Erotik mit hinein, etwas was es zuvor bei den Insulanern nicht gegeben hatte. Am 04.05.1962 wurde im deutschen Fernsehen einer der ganz wenigen gefilmten Auftritte gezeigt, den es später auch mal als Video gab. Vor einigen Jahren wurde er auch wieder mal im Fernsehen wiederholt. Die Auftritte von Rita Paul (und nicht nur die) sind ein echtes Vergnügen.
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Bei den Aufnahmen zur beliebten Musikshow „Werner Müllers Schlagermagazin“ (die Sendung wurde am 02.03.1962 ausgestrahlt), lernte Rita Paul den Musiker Horst Jankowski kennen. Die beiden hatten eine jahrlange, letztlich aber qualvolle Beziehung miteinander. In einem Bericht in „Das Neue Blatt“ Nr. 11/1970 (als alles schon vorbei war) wird Rita wie folgt zitiert: „Er ist genial. Wir haben uns angesehen, und es war von Anfang an eine Kampfliebe. Da gab es viele wunderschöne Momente. Trotzdem war da so vieles, was unerträglich war. Horst hatte immer eine andere Frau neben mir – es schien so, als ob er mich herausfordern wollte.“
Die beiden Künstler haben nie zusammen gelebt und sahen sich nur gelegentlich. Aber es muss problematisch gewesen sein. Als Jankowski Rita Paul schließlich dauerhaft verließ, wird ihm folgende Aussage zugeschrieben: „Wir sind Feinde. Du hast mich als Mann kaputtgemacht – ich dich als Künstlerin.“ Ob dies wirklich gesagt wurde, ist letztlich nicht so wichtig. Es verdeutlicht aber, dass es ein bitteres Ende war.
Es gab im musikalischen Bereich aber auch positive Momente, z.B. produzierte Jankowski Ritas Aufnahme „Schau jeden Abend zu demselben Stern“. Leider sollte das Rita Pauls letzte reguläre Single werden.
Da hinsichtlich des Schallplattenverkaufs nicht mehr so viel lief, suchte Rita nach neuen Betätigungsfeldern, die ihrer vielseitigen Begabung entsprachen. Da bot sich das Musical an, das gerade durch den Riesenerfolg von „My Fair Lady“ einen kleinen Boom erlebte – lange vor Andrew Lloyd Webber.
Zunächst trat Rita in Berlin in „Meine Schwester und ich“ auf, einem musikalischem Lustspiel mit Musik von Ralph Benatzky. Das heitere Stück war zwar etwas angejahrt, aber ansonsten doch eine schwungvolle Sache.
1963 spielte Rita Paul in Düsseldorf die Hauptrolle in einem alten Musical von George und Ira Gershwin („Girl Crazy"), das 1930 in New York uraufgeführt wurde. Eigentlich war es in den frühen sechziger Jahren alles andere als en vogue. Das Stück galt als altmodisch, da die Handlung als zu einfach angesehen wurde. Im Vergleich zu neueren Erfolgen wie „My Fair Lady“, „Kiss Me Kate“ oder „West Side Story“ war es in der Tat eher eine Nummern-Revue, um die man eine Handlung herumgebaut hatte. Aber was der Geschichte vielleicht an Komplexität mangelte, machten die wunderbaren Gershwin-Songs wieder wett. Stücke wie „Bidin' My Time“, „Embraceable You“, „I Got Rhythm“ oder „But Not For Me“ schafften es auch losgelöst vom eigentlichen Musical zu einem Evergreen-Status. Und das wiederum belebte das Musical wieder neu.
Danach spielte Rita Paul in Zürich in der Revue „Die goldenen zwanziger Jahre“. 1966 sollte sie dann in Köln in „Kiss Me Kate“ spielen. Doch hier hatte sie einen Zusammenbruch. Es war von einer verschleppten Virusgrippe die Rede, aber auch davon, dass sie aus der Zeitung erfuhr, Horst Jankowski habe sich (mit einer anderen Frau) verlobt.
Nach der endgültigen Trennung von Jankowski ging es gesundheitlich weiter mit ihr bergab. Sie kam in ein Nerven-Sanatorium und war dort zeitweise völlig apathisch. Da sie sich in diesem Zustand nicht um ihre Tochter kümmern konnte, kam Patrice in ein Internat bei Stuttgart. Dort soll sich zu dieser Zeit auch Fritz von Pilgrim beruflich aufgehalten haben. Wie es insgesamt mit der Beziehung zwischen Mutter und Tochter weiterging – darüber weiß ich nichts.
Die siebziger Jahre
Nachdem sich Rita Paul von der Krankheit wieder so halbwegs berappelt hatte, stand wieder der Beruf im Vordergrund. Was lag da näher, als es noch einmal gemeinsam mit Bully Buhlan zu versuchen. 1972 traten sie zusammen in einer Rosenmontags-Show mit dem Titel „Konfetti aus Berlin" auf. Leider wurde die Sendung damals kurzfristig aus dem Programm genommen.
Und auch ein zweites Projekt mit Buhlan kam (jedenfalls mit ihm) nicht zustande. Gemeinsam sollten sie in einer Bühnenproduktion von Paul Linckes Operette „Frau Luna“ (allerdings in modernisierter Form) auf Tournee gehen. Alle Verträge waren abgeschlossen, doch dann sagte Bully Buhlan kurzfristig ab. Seine Frau hatte sich kurz vorher das Leben genommen, und er sah sich jetzt nicht in der Lage, auf Tournee zu gehen. Er wollte in Berlin bei seinen Kindern bleiben. So fand die Tournee dann mit dem Schauspieler Hans Jörg Hack als Partner von Rita Paul statt. Dieser war natürlich auch hinsichtlich der Publikumswirksamkeit kein adäquater Ersatz für Bully Buhlan.
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In der zweiten Hälfte der siebziger und den ganz frühen achtziger Jahren kam es aber dann im Rahmen von Fernsehshows doch noch zu einigen gemeinsamen Auftritten von Rita und Bully. Dabei sangen sie sogar Lieder, die sie bisher noch nicht gemeinsam aufgenommen hatten ( „Es liegt was in der Luft“, „Spiel mir eine alte Melodie“). Außerdem sollten beide in der Nostalgie-Tournee „So wird’s nie wieder sein“ zusammen mit anderen Stars der fünfziger Jahre auftreten.
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Aber da erlag Bully Buhlan überraschend am 7. November 1982 mit nur 58 Jahren einem Herzanfall. Eine gemeinsame berufliche Zukunft gab es nun nicht mehr.
Rita Paul aber sagte damals in einem Zeitungs-Statement: „Ich habe Anfang der siebziger Jahre viel durchgemacht, war drüsenkrank, verlor die Stimme, konnte eine lange geplante Platte mit Bully nicht machen. Aber wir haben immer wieder zusammengefunden. Jetzt wird er uns allen sehr, sehr fehlen.“
Ende der Karriere
Nach dem Tod von Bully Buhlan ging es auch Rita Paul nicht sehr gut. Bereits im Januar 1983 erlitt sie im Rahmen eines Bühnenauftritts einen Nervenzusammenbruch. Die Sängerin schob es auf einen frisch gestrichenen bzw. mit Lack besprühten Garderobenraum, der ihr die Luft zum Atmen genommen hätte. Dadurch sei es zu dem Zusammenbruch gekommen. Der damalige Tourneechef Charly Buchmann sprach jedoch davon, dass Rita Paul schwer nervenkrank sei und zeitweise nicht ansprechbar.
Im Mai 1983 wurde die Sängerin erneut ins Krankenhaus eingeliefert. Erst wurde von einem Schlaganfall gesprochen, doch dann verdichteten sich die Meldungen in Richtung Selbstmordversuch, zumal sie in die Psychiatrische Abteilung des Krankenhauses kam. Nach etwa vier Wochen konnte Rita Paul am 7. Juni wieder das Krankenhaus verlassen.
Die letzte Information, die ich im Zusammenhang mit Rita Paul habe, ist ihre Mitwirkung in der ZDF-Sendung „Kinder – wie die Zeit vergeht“, die am 07.12.1986 gesendet wurde. Es war die Aufzeichnung einer öffentlichen Veranstaltung vom 10.11.1986 aus der Berliner Deutschlandhalle. Anlass war das 40jährige Bestehen des RIAS. Und hier trat eben auch Rita Paul neben zahlreichen anderen Prominenten auf.
Seither konnte ich keine Neuigkeiten mehr über sie finden. Die Tatsache, dass Rita Paul danach nicht mehr im Fernsehen aufgetreten ist, lässt wohl vermuten, dass sie ihre gesundheitlichen Probleme wohl nicht wirklich dauerhaft in den Griff bekommen hat und ihren Beruf wohl nicht mehr wirklich ausüben konnte.
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