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Ralf Paulsen
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Zur Person
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Ralf Paulsen ist das Paradebeispiel eines vielseitig begabten Sängers, der aber im Laufe der Jahrzehnte im Blick der Öffentlichkeit mehr und mehr reduziert wurde auf einen „Cowboy-Sänger“. Natürlich geschieht so etwas nicht ganz zufällig. Auch der Sänger selbst hat zu diesem Image gehörig beigetragen. Auf diesem Terrain hatte er große Erfolge, seine Stimme und seine Erscheinung passten perfekt dazu. Also schien es ein ökonomisch vernünftiger Schritt zu sein, sich auf dieses Gebiet zu konzentrieren. Aber es hatte natürlich den Nachteil, dass er im allgemeinen Schubladen-Denken dann eben auf diese Masche reduziert wurde. Dabei belegen seine vorhandenen Plattenaufnahmen, dass er – um im Westernbild zu bleiben - in allen Sätteln zu Hause war. (Mir liegen allerdings keine Opern- oder Liedaufnahmen vor, und auch der Bereich Operette ist nur spärlich belegt)
Ralf Paulsen kam am 3. April 1929 in Berlin zur Welt und wuchs auch in der Spree-Metropole auf. Es zeigten sich schon früh seine stimmlichen Fähigkeiten und er entschloss sich zu einer fundierten musikalischen Ausbildung. Er absolvierte in Berlin ein regelrechtes Musikstudium, darunter natürlich auch mit der Fachrichtung Gesang. Hatte die Gesangsausbildung noch primär die klassische Musik im Blick, so zeigte sich bei Ralf Paulsen schon bald die Öffnung zur sogenannten leichten Muse.
Er sagte später einmal zu diesem Thema: „Ich weiß selbst nicht, was ich lieber singe – den Osmin, Sarastro oder Philipp auf der Opernbühne, die herrlichen Lieder von Schubert und Schumann im Konzertsaal oder meine Lieblingslieder, Songs und Balladen. Auf jeden Auftritt bereite ich mich gleich hart vor. Ich arbeite mehr denn je an meiner Stimme und an meinem Stil. Wenn ich Erfolg habe, dann freue ich mich.“ (Abgedruckt auf der Rückseite seiner LP „Kerle, Kumpels, Kameraden“). Natürlich ist das letztlich eine reine PR-Aussage, aber es liegt nahe, dass sich ein Mensch mit einer fundierten musikalischen Ausbildung nicht nur auf eine Schiene festlegen lassen will.
Für Ralf Paulsen hieß es zunächst einmal, sich einen Namen zu machen. Er tingelte von einer Auftrittsmöglichkeit zu nächsten. Seine erste Chance für Plattenaufnahmen bekam er schließlich von der ostdeutschen Monopol-Gesellschaft Amiga. Aufgrund der Platten-Nummern könnten die ersten Aufnahmen dort bereits 1956 entstanden sein. Aber die Amiga-Zeit sollte letzlich nur ein Aufgalopp sein. Denn jetzt ging alles sehr schnell. Werner Müller, damals noch Chef vom RIAS-Tanzorchester, hörte den Sänger und erkannte dessen Talent. Paulsen erhielt einen Schallplattenvertrag bei der Polydor. In der gleichen Zeit bekam er ein Engagement für eine Veranstaltung in der legendären Berliner Waldbühne. Dort sang er „Singe, Colombino“ und kam damit beim Berliner Publikum sehr gut an.
Die ersten Platten-Erfolge kamen relativ schnell. Zwar waren es keine wirklichen Hits, aber sie machten den Sänger auch über Berlin hinaus bekannt. „Kari Waits For Me (Südwind - lieber Südwind)“ und „Tom Dooley“ wurden recht populär. Allerdings hatten bei der deutschsprachigen Fassung von „Tom Dooley“ die Nilsen Brothers die Nase vorn. Immerhin konnte Ralf Paulsen dieses Lied in dem Musikfilm „La Paloma“ singen, was natürlich damit eine noch breitere Bekanntheit nach sich zog. Allerdings fällt auf, dass Paulsen doch noch ein wenig hölzern und steif agierte. Doch da er vorwiegend dabei saß, war das relativ gut zu kaschieren.
Seinen ersten wirklichen Hit hatte der Sänger 1959 mit dem schwungvollen „Tränen in deinen Augen“. Offensichtlich waren aber im Allgemeinen die Verkaufszahlen von Paulsens Platten für seine Firma nicht ausreichend. Jedenfalls erschien schon 1961 die letzte Single für Polydor.
Danach erhielt Paulsen wohl nicht sofort einen Nachfolge-Vertrag bei einer anderen großen Plattenfirma. In diese Zwischenphase dürfte daher sein Engagement für die Schuhfirma Servas fallen. Es ging dabei um Werbeplatten für diese Firma. Dabei handelte es sich meist um normale Aufnahmen, die aber auf der Platte ein- oder zweimal von Servas-Werbeansagen überlagert sind. Von Ralf Paulsen kamen sieben dieser Platten unter das Volk. Es handelte sich dabei nicht um normale Singles, aber auch nicht um die sogenannten Flexis, die meist nur einseitig bespielbaren Schallfolien, die meist als Werbe-Zugaben in Zeitschriften lagen. Nein, die Servas-Platten lagen irgendwo dazwischen. Es waren zweiseitig bespielte Platten mit 45 Umdrehungen pro Minute, die eine individuelle Hülle hatten, aber dennoch deutlich leichter als normale Singles waren. Ich nenne sie daher „Leicht-Singles“.
1963 ging’s aber dann noch mal richtig los für Rolf Paulsen. Er war nun bei der Electrola unter Vertrag, und es begann mit einem Paukenschlag. Er sang „Bonanza“, die deutsche Fassung der Titelmelodie der erfolgreichsten Fernseh-Western-Serie überhaupt. Es entstand eine Wechselwirkung. Die Western-Serie und damit auch die Titelmelodie erfreuten sich allgemeiner Bekanntheit und Beliebtheit. Das wiederum führte dazu, dass Paulsen immer wieder für Fernsehshows engagiert wurde – und meist musste er „Bonanza“ singen. Obwohl er schon früher Cowboy-Lieder sang, wurde er erst jetzt in der allgemeinen Wahrnehmung zum Berufs-Cowboy. Es folgte eine ganze Serie von Singles, bei denen er zu den Titelmelodien der aktuellen amerikanischen Fernsehserien sang.
Eine kleine private Bemerkung zu „Bonanza“. Dieser Titel ist für mich eindeutig ein originäres Instrumentalstück (wie es ja auch ursprünglich konzipiert war). Die gesungenen Versionen (egal ob in Englisch oder Deutsch) empfinde ich als ein wenig aufgesetzt. Auch die entsprechenden Texte folgen notgedrungen der Melodie, sind aber jeweils keine wirklichen Einfälle.
Ralf Paulsen war in den Sechzigern präsent, aber dennoch hat es nicht zum ganz großen Star ausgereicht. Woran lag das? Mit seiner durch und durch herb-männlichen Erscheinung und mit ebensolcher Stimme war er nicht gerade das angesagte Teenager-Idol der Zeit. Roy Black und Drafi Deutscher waren mehr angesagt. Aber auch auf seinem ureigenen Feld hatte er es jedoch auch mit starker Konkurrenz zu tun. Da war natürlich Freddy Quinn, der immer noch seinen Superstar-Status hatte. Dann gab es aber eben auch Ronny (der mich in Stimme und Erscheinung immer ein wenig an Jim Reeves erinnerte) räumte kräftig ab mit seinen Eindeutschungen von amerikanischen Traditionals. Diese eingängigen Melodien kamen ungeheuer gut an. Und dann kam da auch noch ein Newcomer namens Heino. Und so gelang es Paulsen nicht so gut, sich dauerhaft zu etablieren.
Hier ist es jetzt vielleicht an der Zeit, die musikalische Bandbreite – jedenfalls soweit sie auf Platten veröffentlicht ist – kurz zu beleuchten. Da sind natürlich zunächst die Cowboy & Western-Lieder. Natürlich sollten alle diese Lieder ein bisschen das Flair von Lagerfeuer und endloser Weite ausstrahlen. Aber hier muss man unterscheiden. Die meisten seiner Single-Erfolge sind nichts anderes als ganz normale Schlagermusik, denen man „Wildwest-Vokabeln“ hinzugefügt hatte (Beispiele: „Die Cowboys von der Ponderosa“, „Immer wenn er Whisky trank“, „Komm zurück nach Arizona“). Mit eher wenigen Aufnahmen ist Ralf Paulsen bei einer country-mäßigeren Spielart, etwa bei „Die Girls von Nashville“ und „Dort steht ein Haus“. Und dann sind da natürlich noch die alten Folklore-Melodien („Shenandoah“, „Frankie and Johnny“, „Dort möchte ich sein“ (= „Home On The Range“), „My Darling Clementine“, „Ich hab’ eine Braut in Texas“ (= „Yellow Rose Of Texas“)).
Aber Ralf Paulsen konnte auch swingen. Lieder wie „Happy, so wie du“, „Jeannette in weißer Seide“ (= „Swannee River“), „Süße kleine Lady“ (= „Old MacDonald Had A Farm“) wirken in keiner Weise aufgesetzt oder unpassend für ihn. Im Gegenteil – es ist bedauerlich, dass er nicht mehr in dieser Richtung gesungen hat, er hatte es eigentlich drauf. Ganz und gar auf den normalen rhythmischen Pop-Musikgeschmack der 60er Jahre zugeschnitten ist ein Lied wie „Du, nur du allein“. Schmachtende Liebesgesänge, wie man sie vielleicht eher von Gerhard Wendland erwartet hätte, bot auch Ralf Paulsen gelegentlich („In Peru“, „Ganz nah ist die Liebe“). Aber es gibt von ihm auch Twist- und Madison-Aufnahmen oder auch „Verschlagerungen“ von Offenbach und Bizet. Das war also rundherum ein deutlich breiteres Repertoire als nur die „Cowboy-Masche“.
Im Laufe der sechziger Jahre war Ralf Paulsen bei einigen LP-Aufnahmen dabei, z.B. bei Musical- bzw. Operettenaufnahmen. Doch eigene LPs gab es erst seit den späten sechziger Jahren. Allerdings lief das auch nur wenige Jahre.
Zwei LPs möchte ich hier kurz ansprechen. 1969 gab es mit „Kerle, Kumpels, Kameraden“ Ralf Paulsens wohl erste wirkliche Solo-LP (Sampler nicht gerechnet). Im Angebotsspektrum wird natürlich das Western-Image bedient („Das alte Haus von Rocky Docky“, „Geisterreiter“, „Wenn die Sonne scheint in Texas“). Aber es gibt immerhin auch drei Lieder, die die Russland-Welle der zweiten Hälfte der 60er Jahre aufgreift („Leis’ rauscht die Wolga“, „In Nischni Nowgorod“ und „Na sdarowje, Jonny“). „Jacky John“ ist so ein wenig an Freddys „Hundert Mann und ein Befehl“ angelehnt, „Go Man Go“ hat Gospel-Anklänge, und mit „Ein Freund, ein guter Freund“ hört man sogar einen alten deutschen Tonfilm-Gassenhauer. Alles in allem war das ein abwechslungsreiches Programm, der eine Bandbreite zeigt, die deutlich über die der Singles-Veröffentlichungen hinausgeht.
Uneingeschränkt zu empfehlen ist die um 1970 entstandene Duett-LP „Song And Love“, die er gemeinsam mit Nana Gualdi, eine der vielseitigsten und man meisten unterbewertesten Sängerinnen überhaupt, aufnahm. Die Plattenhülle ist eine einzige Scheußlichkeit, doch was man zu hören bekommt, das sind einfach wunderbare Darbietungen. Beide Interpreten passen wunderbar zusammen, sie singen mit- und nicht gegeneinander. Und für Ralf Paulsen war dies auch einmal der Versuch, aus seiner Cowboy-Ecke heraus zu kommen. Leider wurde die Platte kein großer Erfolg, aber es lohnt auf jeden Fall danach Ausschau zu halten.
In den 70er Jahren ging es jedoch deutlich bergab mit Ralf Paulsens Karriere. Er hat wohl einige Zeit auch keine (zumindest regelmäßigen) Plattenaufnahmen gemacht. In einem etwas schwülstigen, aber doch beeindruckendem Lied mit autobiografischen Anklängen („Neu sind die Namen“), das er aber erst viele Jahre später geschrieben hat, gibt es die Textzeile „Privat ging vieles schief“. Ich weiß nicht, was schief gegangen ist, aber vielleicht liegt hier einer der Gründe für seinen Karriereabschwung,
Ganz augenfällig wird die Instabilität in Ralf Paulsens Karriere auch durch einen Blick auf seine Veröffentlichungen von Singles. In gut dreißig Jahren machte er Plattenaufnahmen für nicht weniger als 15 Plattenfirmen. Es ist klar, dass unter solchen Umständen keine kontinuierliche Entwicklung möglich ist. Etliches blieb Stückwerk.
Im Text eines CD-Covers ist das Jahr 1979 als „Wiedereinstieg in das Plattengeschäft als Sänger, Songschreiber und Mitproduzent in Sachen Countrymusic“ bezeichnet. Und das macht in der Tat Sinn. Durch den Erfolg der Gruppe Truck Stop 1978 mit dem Lied „Ich möcht’ so gern Dave Dudley hör’n“ wurde in Deutschland ein ungeahnter Boom in Sachen Country-Music ausgelöst. Das galt sowohl für deutschsprachige Künstler, als auch für amerikanische, die ansonsten niemals in einer deutschen Fernsehshow aufgetaucht wären (z.B. Dave Dudley oder Ken Curtis). Es gab eigene Country-Sendungen im Fernsehen, und vielfach wurde auch „Country light“ in deutsche Schlager verpackt.
Natürlich waren das gute Rahmenbedingungen für Ralf Paulsen, seiner Karriere wieder etwas Schwung zu geben. Doch das fand eher auf Country-Festivals als im Fernsehen statt. Das führte allerdings zu einer deutlichen Repertoire-Verengung eben auf diese Art von Musik. Sicherlich dürften diese zahlreichen Auftritte Ralf Paulsen auch wieder ein ansehnliches Einkommen beschert haben. Er wurde – auch aufgrund seines Alters, seiner imposanten Erscheinung mit den mittlerweile schneeweißen Haaren - so etwas wie der Grand Segnieur der deutschen Country-Szene. Die aktuellen Helden aber waren Truck Stop und Tom Astor.
Die deutschen Country-Lieder dieser Zeit hatten einfache Melodien und Rhythmen und oft einen erzählenden Charakter, die auch Sänger mit weniger guten Stimmen darbieten konnten. Ich will nicht sagen, dass Ralf Paulsen mit solchen Liedern stimmlich unterfordert war, aber er konnte auch kaum seine eigentliche Stärke ausspielen. Gesanglich war er dem Rest der Szene sicherlich deutlich überlegen. Ein Beispiel ist „Sonne und Regen“ (welches sicher kein herausragendes Lied ist), aber es gibt dem Sänger einmal die Gelegenheit, seine schöne Stimme auch einmal klingen zu lassen.
In den 90er Jahren machte Ralf Paulsen dann einige CDs mit Peter Orloff als Produzent. Leider steht eine wirklich Karrierezusammenstellung auf CD noch aus. Da aber seine Zeit als wirklicher LP-Künstler mehr oder weniger auf ein paar Jahre um 1970 beschränkt war, bleibt nichts anderes übrig, als nach den diversen Singles Ausschau zu halten.
Über das was Ralf Paulsen heute macht, liegen mir leider keine Informationen vor. Er zog wohl noch in den späten Fünfzigern weg von Berlin nach Westdeutschland. Er hat sich in Recklinghausen angesiedelt, jedenfalls kann man das aus einem entsprechenden Lied („Recklinghausen“) entnehmen, das er selbst geschrieben hat. Es wurde eine Hymne auf diese Stadt am Rande des Ruhrgebietes mit Blick ins Münsterland, von der er nie mehr weg möchte.
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