Gerhard Wendland
19. April 1916 - 21. Juni 1996
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Zur Person
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Gerhard Wendland war der Mann mit der Samtstimme, er war der Prototyp eines Sängers im romantischen Fach. Seine ausgebildete Stimme hat eine einschmeichelnde Wirkung - etwas was nur bedingt erlernbar ist. Es haftet ihm auch heute noch teilweise das Etikett des Schnulzensängers an. Als Beispiel dafür dienen gerade die beiden Titel, die man unmittelbar mit ihm in Beziehung setzt - „Das machen nur die Beine von Dolores“ und „Tanze mit mir in den Morgen“. Dass er aber nicht auf diese Titel reduziert werden kann, zeigen eine lange Reihe hervorragender Interpretationen, hinter denen eine fundierte stimmliche Qualität aber eben auch musikalischer Geschmack steht. Leider stehen diese Aufnahmen nicht so sehr im Fokus wie seine sehr massentauglichen Hits. Doch gerade seine LP-Aufnahmen beinhalten zahlreiche Perlen.
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Die Anfänge
Er wurde am 19. April 1916 in Berlin-Grünau geboren. Zwar finden sich in diversen Veröffentlichungen über den Sänger immer wieder unterschiedliche Geburtsdaten (z.B. 19.04.1919, 01.09.1920, 19.04.1921, 01.09.1921), doch die sind allesamt definitiv falsch. Zwar wurden in früheren Jahren durchaus diese spätere Zeit auch von den Plattenfirmen und dem Sänger selbst lanciert, doch handelte es sich dabei um eine kleine Schwindelei, um den Sänger etwas jünger erscheinen zu lassen. Dies gab Wendland zum Ende seines Lebens hin auch selbst zu (Bericht in „Neue Post“ Nr. 21/1995, S. 57). Wer noch Zweifel hat, der möge sich den Grabstein auf dem Friedhof in München-Riem einmal anschauen. Dort ist auch ganz klar der 19. April 1916 als Geburtsdatum angegeben. Und da bestand ja nun wirklich keine Motivation mehr für eine falsche Angabe.
Schon früh beginnt der junge Gerhard Erfahrungen mit der Musik zu sammeln. Im Klassenchor darf er Solo-Parts übernehmen. Doch auch in seinem Elternhaus wird die erkennbare Musikalität des Sohnes gefördert. Mit zehn Jahren erhält er Klavierunterricht.
Außer der Musik gibt es noch ein zweites Gebiet, bei dem Gerhard Wendland eine überdurchschnittliche Begabung hat: den Sport. Er tritt beim Treptower Turnverein ein und wird mit 15 Jahren Brandenburgischer Jugendmeister im 800-Meter-Lauf. Außerdem spielt er Handball (Hinweis für alle jüngeren Leser: damals natürlich noch Feldhandball).
Bei einer privaten Weihnachtsfeier im Jahr 1931 hört Hermann Schönwiese, Chefregisseur der Berliner Rotter-Theater, den jungen Gerhard singen. Er erkennt sofort dessen Talent und bietet ihm einen Vertrag an. Der Name Rotter hat weit über Berlin hinaus einen sehr guten Klang. Die Brüder Alfred und Fritz Rotter kontrollierten allein in Berlin vier Theater, das Metropoltheater, das Theater des Westens, das Lessing-Theater und das Kleine Theater. Sie waren auch dafür bekannt, dass sie ihren Spitzenstars vergleichsweise astronomisch hohe Gagen zahlten.
Doch davon war der junge Gerhard Wendland damals noch weit entfernt. In seinem Fall ging es lediglich um einen sogenannten Ausbildungsvertrag mit anschließender fünfjähriger Bindung an die Rotter-Bühnen. Es war durchaus ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Ein künstlerisch begabter junger Mensch erhielt eine solide Ausbildung, andererseits war der Nachwuchs für die Rotter-Bühnen sichergestellt. Hinzu kam, dass die Leute aus dem „eigenen Stall“ für die Rotter-Brüder wesentlich billiger zu haben waren als die eingekauften Stars, deren Namen freilich die Zugkraft der Revuen erhörte. Denn so fürstlich die Rotters auch ihre Stars honorierten, so bekannt waren sie auch dafür, die Gagen der übrigen Mitwirkenden nach unten zu drücken.
Die Eltern Wendland, die natürlich auch die Musikalität ihres Sohnes erkennen, stimmen letztlich dem Vertrag zu, obwohl Vater Wendland für Gerhard lieber eine berufliche Zukunft als Kaufmann gesehen hätte, zumal er selbst einer Kaufmannsfamilie entstammt.
Als Konsequenz dieser Entscheidung bricht Gerhard 1932 das normale Gymnasium ab und widmet sich den musikalischen Studien. Sein Gesangslehrer ist der französischstämmige Charles „Karl“ Tallard (bzw. Talard).
Doch die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise der frühen dreißiger Jahre machen auch Wendlands Plänen einen Strich durch die Rechnung. Die Menschen hatten nicht mehr so viel Geld für Revuebesuche, die Rotter-Brüder verschuldeten sich und schließlich brach ihr kleines Imperium zusammen und sie setzten sich nach Liechtenstein ab. Zuerst tritt Tallard in den Rotterschen Vertrag ein, doch wenige Monate später stirbt er – und die Zukunft von Gerhard Wendland scheint ungewisser denn je.
Vater Wendland möchte noch immer, dass sein Sohn eine Laufbahn als Kaufmann einschlägt. Dem steht aber Gerhards eigener Wunsch nach einer musikalischen Karriere als Opernsänger entgegen. Man einigt sich schließlich darauf, dass sein tatsächliches Talent erst einmal von neutralen Fachleuten beurteilt werden sollte. Dieses Urteil ist für Gerhard sehr erfreulich. Professor Weissenborn hält ihn nicht nur für geeignet sondern bietet ihm sogar gleich ein Stipendium an der Staatlichen Hochschule für Musik in Berlin-Charlottenburg an.
Bevor sein Musikstudium aber richtig in Fahrt kam, leistet Gerhard Wendland 1934 den Arbeitsdienst ab. Zu diesem Zeitpunkt ist es allerdings noch nicht der halbjährige Pflicht-Reichsarbeitsdienst (RAD), denn den gibt es erst ab Mitte 1935. Vorher gab es lediglich einen freiwilligen Arbeitsdienst, der in der Jugendbewegung der Weimarer Republik entstanden war, dann erweitert und vom Staat übernommen wurde.
Obwohl in den meisten Musikhochschulen die Unterhaltungsmusik als etwas zweitrangiges daher abzulehnendes angesehen wird, gab und gibt es immer wieder Studenten, die sich in der Freizeit dieser sogenannten leichten Muse hingaben – teilweise aus Neigung, teilweise aber auch nur, um sich etwas Geld zu verdienen.
Durch den Tipp eines Studienkollegen erfuhr Gerhard Wendland, dass ein Filmtheater einen Sänger für das Vorprogramm bis zum Hauptfilm suchte. Gerhard stellte sich vor, bekam den Job und konnte auch direkt Erfolge für sich verbuchen (natürlich mit Unterhaltungsliedern). Er errang eine gewisse lokale Bekanntheit und wurde voran mit der Bezeichnung „Berlins jüngster Schlagersänger“ versehen. Sein Name erscheint auf den ersten Werbeplakaten.
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Der Zufall bringt dem jungen Sänger eine weitere Chance. Für einen Komponistenwettstreit im Berliner Admiralspalast ist dem schon berühmten Filmkomponisten Franz Grothe der eigentlich vorgesehene Sänger ausgefallen. Wendland springt ein und kann sowohl für sich als auch für Franz Grothe einen überragenden Erfolg verbuchen. Er erringt sowohl den ersten als auch den dritten Platz. Nr. 1 wird „Es ist alles Komödie“, ein zackiger Paso doble, der ursprünglich aus dem Film „Der große Bluff“ (gedreht 1932, uraufgeführt 1933) stammt, einer Kriminalkomödie, in der unter anderen so bekannte Schauspieler wie Harald Paulsen, Paul Hörbiger, Adele Sandrock und Theo Lingen mitspielten. Den dritten Platz erringt er mit „Man sagt, ich liebe dich“, einem langsamen Walzer. Dass die Veranstaltung im Rundfunk direkt übertragen wird, erhöht natürlich nur die Öffentlichkeitswirkung. Es sei aber noch angemerkt, dass Gerhard Wendland keines der beiden Lieder später auf Schallplatte aufgenommen hat.
Als direkte Folge der Veranstaltung erhält Wendland von Franz Grothes Musikverlag einen sogenannten Interpretenvertrag, der ihn zwar nicht reich werden läßt, aber ihm doch Auftrittsmöglichkeiten bietet und die Möglichkeit zur Fortsetzung seines Musikstudiums läßt.
1935 bekommt er ein Engagement als Refrainsänger beim Orchester Emil Roosz im berühmten Berliner Tanzlokal „Moka Efti“, obwohl der beim Vorsingen den Text vergaß und improvisieren mußte. Das Moka Efti wurde 1929 eröffnet (Friedrichstraße Ecke Leipziger Straße) und hatte bald den Ruf, eines der besten Lokale für Jazz und Tanzmusik zu sein. Bei einem Bombenangriff am 23.11.1943 wurde es dann völlig zerstört. Es mag Gerhard Wendland in dieser Phase seiner Karriere auch geholfen haben, dass nach und nach alle jüdischen Musiker die Möglichkeit für öffentliche Auftritte verloren.
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Gerhard Wendlands nächste Station war die legendäre Roxy Bar in der Joachimsthaler Straße, wo er über mehr als zwei Jahre hindurch sang, oft auch in englischer Sprache. Außerdem spielte er Schlagzeug. Das Bild links zeigt ihn 1935 in der Roxy-Bar. Seine Karriere entwickelte sich, er wurde bekannter und trat auch immer öfter im Rundfunk auf.
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Nach Wendlands eigenen Angaben machte er 1938 seine erste Schallplattenaufnahme mit dem Lied „Du warst für mich der schönste Liebestraum“ (Bochmann / Huebner). Diese Aufnahme gilt als verschollen (In einem Zeitschriften-Artikel über den Sänger aus dem Jahr 1953 hieß es, dass diese Platte bei Odeon erschienen sei). Es ist auch nicht klar, mit welchem Orchester er dieses Lied einspielte. Allerdings hat er es Jahrzehnte später nochmals aufgenommen und zwar mit dem Berliner Studio-Orchester unter Leitung seines Produzenten Hans Hartmann. Diese Aufnahme ist veröffentlicht auf Wendlands LP „Wunschkonzert mit Gerhard Wendland“.
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Kriegszeit
Für 1939 hatte er bereits ein Engagement auf dem Kreuzfahrt-Passagierdampfer Reliance. Doch zwei Umstände machten einen Strich durch die Rechnung. Zum einen brannte der 1914 vom Stapel gelaufene Dampfer noch im Jahr 1938 fast vollständig aus und hatte anschließend nur noch Schrottwert. Zweitens gab es aber für Gerhard Wendland ein anderes Engagement, dem er sich nicht entziehen konnte. Er wurde Soldat. Die Quellen gehen etwas auseinander, wann dieses Engagement tatsächlich begann, ob 1938 oder 1939. Doch das ist letztlich nicht so sehr wesentlich.
Was Gerhard Wendland im Krieg gemacht hat, kann ich nicht wirklich konkret sagen. Er war wohl zunächst als Militärmusiker tätig und spielte in einem Musikzug Tuba und Waldhorn. Daneben spielte er wohl auch in einer eigenen Combo. Doch der musikalische Einsatz war wohl nur von begrenzter Dauer. Er landete schließlich bei der Infanterie. Dort muss er auch in Kampfhandlungen einbezogen gewesen sein; es ist von einer zweimaligen Verwundung die Rede. Danach wurde er zum Feuerwerker ausgebildet und entschärfte fortan Bomben. Es ist dann von einer nochmaligen Verletzung die Rede, einer Dienstzeitunterbrechung zum Studium (vielleicht aufgrund der Verletzung) und schließlich von einer nochmaligen Umschulung zum Sanitäter.
1945 geriet er in russische Gefangenschaft und kam in ein Lager in Bessarabien. Das ist ein Landstrich östlich der Ostkarpaten, an der Grenze der ehemaligen Sowjetunion mit Rumänien. Im Süden Bessarabiens liegt die Mündung der Donau ins Schwarze Meer. Die Gefangenschaft endete 1947. Einmal ist von einer Flucht aus dem Lager die Rede, und dass er sich dann nach Deutschland durchgeschlagen hat.
Wie viele Männer, die den Krieg und anschließende Gefangenschaft mitgemacht hatten, redete auch Gerhard Wendland nicht gern über diese Zeit und von dem, mit was er konfrontiert wurde. Aber auch ohne diese Kenntnisse wird bei der reinen zeitlichen Betrachtung klar, welch entscheidender Einschnitt diese Zeit bedeuten musste. Acht Jahre seines Lebens waren mehr oder weniger geprägt von Krieg und Militär. Seine berufliche und private Entwicklung war unterbrochen, die Spätfolgen einer Kriegsverletzung führten dazu, dass er sich noch 1977 einer schwierigen Operation unterziehen musste.
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Neubeginn nach dem Krieg
Zurück in die Nachkriegszeit. Im Frühjahr 1947 war Gerhard Wendland wieder zurück. Doch er ging nicht zurück in das unsichere Berlin sondern nach München. Natürlich war seine ganze bisherige (Vorkriegs-)Karriere ruiniert. Mehr als persönliche Erfahrungen blieben da nicht übrig. Er musste also wieder von vorn anfangen. In der Nachkriegszeit war der beste Weg, in Kontakt mit den Amerikanern zu kommen. Dies gelang Wendland schließlich, denn bereits im Mai 1947 spielte er mit seiner neuen Band in amerikanischen Clubs. Das sicherte zunächst einmal die Grundversorgung.
Ein entscheidendes Datum war dann der 14. Dezember 1948. Eigentlich sollte es nur ein Vorsing-Termin beim Bayerischen Rundfunk sein, doch Orchesterleiter Herbert Beckh war von dem neuen Sänger so angetan, dass der sofort unter Vertrag genommen wurde. Und noch am selben Tag machte er seine ersten Rundfunkaufnahmen in der Nachkriegszeit. Er sang „Frauen, die wir lieben“ und „Jetzt ist es still“. Mit von der Partie waren damals auch die Sängerinnen Kary Barnet und Gitta Lind.
Der „neu entdeckte“ Sänger kam sehr gut an. Es folgten weitere Aufnahmen für den Bayerischen Rundfunk, doch schon bald kamen auch die Offerten der anderen Rundfunksender. Natürlich kommen auch Auftritte bei öffentlichen Veranstaltungen hinzu. Gerhard Wendland singt in dieser Zeit mit der Begleitung so bekannter Orchester wie die von Willy Berking, Kurt Edelhagen und Alfred Hause.
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Beginn der Schallplattenkarriere
Die zunehmende Popularität führte schließlich auch zu einem regulären Plattenvertrag. Im Herbst 1949 kam es zu einem Vertragsabschluss mit der Firma Odeon. Der erste Aufnahmetermin war der 12. Oktober 1949, bei dem er vier Titel aufnahm („Es klingt ein Lied aus längst vergang'nen Tagen“, „Es wird in hundert Jahren wieder so ein Frühling sein“, „So wie du, so wie du“ und „Wenn einmal in fernen Tagen“). Bis zum Jahresende 1949 kamen noch zwölf weitere Aufnahmen hinzu.
Wenn man sich heute diese frühen Aufnahmen anhört, stellt man fest, dass bereits alles da war. Hier stand kein Anfänger am Mikrofon, der erst noch seinen Stil finden musste. Man hört die ausgebildete Stimme, die völlig unangestrengt eingebracht wird. Im Gegensatz dazu hat beispielsweise Peter Alexander ganz am Anfang seiner Plattenkarriere zuweilen etwas forciert „auf Stimme gemacht“, ist aber glücklicherweise schon bald einen Schritt zurück gegangen, was sich dann deutlich positiv auf seine vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten ausgewirkt hat. Bei Gerhard Wendland war dies ein wenig anders. Er hat sich von Anfang an eher an die Lieder gehalten, in denen er seine Stimme klingen lassen konnte, in aller Regel aber ohne die Eitelkeit, die Stimme „vorführen“ zu müssen. Er hatte wohl in den dreißiger Jahren gelernt, dass sich der Sänger (ein Star war er ja damals noch nicht) dem Lied anzupassen hat.
Die Vertragssituation von Gerhard Wendland ist anfangs ein wenig sonderbar. Seine erste Plattenfirma (nach dem Krieg) war die Odeon. Doch hat es diese Firma offenbar versäumt, sich den aufstrebenden Sänger längerfristig zu sichern. So kam es, dass Wendland für Odeon nur gut ein Jahr (von Oktober 1949 bis November 1950) Plattenaufnahmen machte. Noch ungewöhnlicher ist dann die folgende Zeit bei Philips. Hier ist es gerade mal ein halbes Jahr (von Januar bis Juni 1951), in dem Wendland Aufnahmen für diese Firma machte. Man könnte es verstehen, wenn es sich um eine nur mäßig erfolgreiche Zeit gehandelt hätte und die Firma mit diesem Sänger keine Zukunft sah. Aber genau das Gegenteil war der Fall. Mit „Das machen nur die Beine von Dolores“ hatten Firma und Sänger gemeinsam einen wirklich großen Hit, bei dem die anderen Sänger, die dieses Lied auch sangen (und deren jeweilige Firmen) deutlich abgehängt wurden. Sonstige Interpreten waren immerhin Vico Torriani (für Decca), Peter Alexander (für Austrophon; allerdings war es dessen allererste Plattenaufnahme) und Detlev Lais (für Polydor). Für Wendland bedeutete dieses Lied in der Langzeitwirkung das erste von zwei lebenslangen Erkennungsliedern.
Wie Philips diesen Sänger, der aufgrund seines „Dolores“-Erfolges gerade richtig dick im Geschäft war, gehen lassen konnte, bleibt unverständlich. Eigentlich kann es nur so sein, dass Philips beim Vertragsabschluss eine große Fehleinschätzung gemacht hatte, oder dass Polydor eine kräftige Ablösezahlung geleistet hat. Jedenfalls ging Gerhard Wendland zu Polydor, der führenden Firma im deutschsprachigen Unterhaltungsmusikbereich, und nahm bereits ab August 1951 Platten für diese Firma auf.
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Seltsamerweise gab es aber am 31. August 1952 noch einmal ein kurzes Philips-Intermezzo. An diesem Tag nahm er nämlich noch einmal vier Lieder für seine alte Plattenfirma auf (jeweils begleitet vom Orchester Willy Berking). Es könnte so sein, dass es sich hierbei noch um noch nicht erfüllte Verpflichtungen aus dem Philips-Vertrag handelte. Aber das ist eine Spekulation. Jedenfalls wurden die vier Aufnahmen auf zwei Schellack-Platten von Philips herausgebracht.
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Die Polydor-Jahre
Ansonsten waren aber jetzt Aufnahmen für Polydor angesagt. Zwar erreichte Wendland in der Polydor-Zeit solide Erfolge, aber einen „Monster-Hit“ wie „Das machen nur die Beine von Dolores“ konnte er nicht mehr verzeichnen. Hinzu kam das generelle Problem, dass sich die Musikszene mit dem allgemeinen Aufkommen des Rock ’n’ Roll deutlich wandelte. Melodisches trat gegenüber Rhythmischem in den Hintergrund, das andere deckte Freddy Quinn ab. Peter Alexander kam aufgrund seiner Vielseitigkeit (z.B. seiner Präsenz als Filmstar) problemlos durch diese „Zeitenwende“ – ja er konnte seine Position sogar noch stärken. Aber gerade der Sänger Gerhard Wendland war imagemäßig mit der Musik behaftet, die man jetzt als eher altmodisch ansah.
Wirft man einen näheren Blick auf die Aufnahmen, die Wendland in den letzten beiden Jahren seines Polydor-Vertrages (1957 und 1958) gemacht hatte, so stellt man das wachsende Desinteresse der Firma an seinem Sänger fest. Zum einen ließ die Anzahl der Aufnahmen deutlich nach, zum anderen ließ leider auch die Qualität der Lieder zu wünschen übrig. Da aber der Erfolg einer Platte auch von der dafür gemachten Werbung abhängt, war für Wendland nicht mehr viel zu holen. Der Zeitgeschmack war nicht auf seiner Seite, das Liedmaterial oft nur durchschnittlich, die Promotion eher matt. Da war es klar, dass es mit seiner Karriere bergab ging. Zwar hatte er sich im Laufe der Jahre einen guten Namen beim Publikum gemacht (das blieb auch so), aber seine Platten wurden eben nicht mehr so stark gekauft. Und so war es eine logische Folge, dass der Ende 1958 auslaufende Plattenvertrag bei Polydor nicht mehr verlängert wurde.
Wendland war jetzt ein wenig in einem Loch, auch wenn er das nach außen sicher nicht zugegeben hätte. Die anderen großen Plattenfirmen standen ebenfalls nicht gerade Schlange, um ihn unter Vertrag zu nehmen. Zwar wäre er als Interpret durchaus interessant gewesen, aber man würde gewisse Sänger, die man bereits in seinem „Stall“ hatte, nur unnötig Konkurrenz machen. Beispielsweise hätte es für Decca keinen großen Sinn gemacht, neben Vico Torriani, der in dieser Zeit ebenfalls zu kämpfen hatte, noch einen zweiten Sänger dieses Kalibers zu engagieren, der ebenfalls Karriereprobleme hatte.
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Tourneen
Neben den Plattenverkäufen waren besonders in den frühen fünfziger Jahren die vielen Tourneen die große Einkommensquelle für die Unterhaltungssänger. Da dies aber immer Gruppentourneen waren, d.h. eine ganze Reihe von Interpreten traten im Rahmen von Bunten Abenden auf, war zwangsläufig ein recht enger Kontakt zwischen den einzelnen Interpreten vorhanden. Da aber eben auch zwangsläufig viel Zeit mit Fahrten und Warten zu überbrücken war, gab es auch allerlei Schabernack, den sich die Künstler gegenseitig spielten. Einmal haben Peter Frankenfeld und Gerhard Wendland in einem unbeobachteten Moment Helmut Zacharias wertvolle Geige durch ein Billigexemplar ersetzt, dann in Anwesenheit von Zacharias einen scheinbaren Streit vom Zaun gebrochen und dabei als „spontaner“ Aufbruch voller Wut, die dort liegende Geige zerschmettert. Die Herren liebten rustikale Scherze.
Cornelia Froboess hat mal in einer Fernsehsendung anlässlich ihres 60. Geburtstages berichtet, dass sie als kleines Mädchen wahnsinnig in Gerhard Wendland verliebt gewesen sei. Wenn er auf der Bühne eines seiner Liebeslieder sang und dann einen kurzen Moment zu ihr zum Bühnenzugang herübersah, also praktisch zu ihr hin sang, wäre sie immer völlig weg gewesen.
Aber es gab auch dramatische Situationen. Gerhard Wendland und Bully Buhlan hatten wohl einen recht guten Kontakt zueinander (vielleicht half hier auch die gemeinsame Berliner Herkunft). Das führte dazu, dass sie zuweilen gemeinsam reisten, und zwar nicht im eigentlichen Tournee-Bus sondern im privaten Auto, wobei sie sich wohl mit dem Fahren abwechselten. Am 15. Januar 1952 waren sie auf der Autobahn zwischen Minden und Bielefeld unterwegs. Als sie einem Lkw, der mit seinem Anhänger ins Schlingern gekommen war, ausweichen wollten, kamen sie auf den Autobahn-Grünstreifen, verloren die Kontrolle und überschlugen sich. Beide wurden verletzt, aber sie standen – wenn auch lädiert – am selben Abend noch auf der Bühne. Wer bei dem Unfall nun genau am Steuer saß, weiß ich nicht. Nach einer Quelle war es Buhlan, nach einer anderen Wendland.
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1956: Gerhard Wendland, Bully Buhlan, Fritz Schulz-Reichel und (unten) Werner Müller
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Filme
In de fünfziger und frühen sechziger Jahren war es für einen Sänger, der es zu einiger Popularität gebracht hatte, durchaus üblich in diversen Kinofilmen mitzuwirken. Die Überlegung war ganz einfach. Mit einem einzigen Filmauftritt, auch wenn dieser noch so klein war, konnte man eine flächendeckende Werbung in eigener Sache betreiben bzw. die jeweils neueste Schallplatte vorstellen. In Amerika hatte längst das Fernsehen (natürlich neben dem Radio) diese Funktion übernommen, aber das war in dieser Zeit in Deutschland noch längst nicht allgemein verbreitet. Bei den Sängern etablierten sich zwei Gruppen. Da waren die, die es zu einer eigenen veritablen Filmkarriere schafften, die regelrecht Hauptrollen spielten. In manchen Fällen wurden um diese herum ganze Filmhandlungen aufgebaut. Die kleine Gruppe der singenden Filmstars umfasste Leute wie Peter Alexander, Fred Bertelmann, Conny Froboess, Bibi Johns, Peter Kraus, Freddy Quinn, Rudolf Schock, Vico Torriani und natürlich Caterina Valente. Die anderen Sänger mussten sich meistens mit einem Gesangsauftritt innerhalb eines Filmes begnügen.
Gerhard Wendland hat im Grunde nie eine Schauspieler-Karriere gemacht – und das obwohl ist er in mindestens 17 Kinofilmen im Vorspann genannt wird. Doch waren dies allenfalls eher kleine Rollen, die zum Teil nur aus dem Auftritt bestanden, in dem er auftrat (z.B. in „Hoch droben auf dem Berg“, 1957). Aber es ging zum Teil sogar ohne sein Erscheinen. In „Von Liebe reden wir später“ (1953) ist Wendland überhaupt nicht zu sehen. Lediglich seine Stimme erschallt einmal aus einem Radio heraus und zwar mit eben dem Titellied „Von Liebe reden wir später“. Auch in dem ein Jahr vorher entstandenen Streifen „Der bunte Traum“ kann man nicht sehen, dafür aber gleich zweimal hören.
Wenn er mal tatsächlich eine über den Gesangsauftritt hinausgehende Rolle hatte – etwa in „Der schräge Otto (1956) oder „Die Post geht ab“ (1962) -, dann war sie aber so klein, dass dies sicher nicht eine Tür zu einer weitergehenden Darstellerkarriere sein konnte. Filme waren für Wendland also vor allem eine kleine Werbeplattform für sich und seine Lieder.
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Tefifon
Da es schwierig war, nach Polydor eine passende neue Plattenfirma zu finden, machte Gerhard Wendland ein „Zwischenspiel“ bei der Tefifon. Diese vertrieb keine Schallplatten sondern ein eigenes Tonträgersystem: die Tefifon-Schallbänder, für deren Wiedergabe man spezielle Wiedergabegeräte (ebenfalls von Tefifon) benötigte. Man kann die Schallbänder wohl am ehesten mit Musikkassetten vergleichen, wenngleich die Tefi-Bänder ungleich voluminöser waren, aber auch eine deutlich längere Laufzeit liefern konnten. In dem durchaus reichhaltigen Tefifon-Angebot gab es zahlreiche Übernahmen (z.B. von der ostdeutschen Amiga), aber noch mehr Eigenproduktionen mit einem eigenen Künstlerstamm. Unter den Interpreten, gab es etliche bekannte Namen, aber (natürlich) niemand, der gerade auf der Überholspur des Erfolges war. Lonny Kellner sei hier mal als ein Beispiel genannt.
Tefifon setzte bei ihren Veröffentlichungen meist auf Sammelprogramme. Das heißt, es wurden bekannte und unbekannte Interpreten gemeinsam auf einem Band veröffentlicht. Auf einen Interpreten allein zugeschnittene Schallbänder waren ganz klar die Ausnahme. So ist von Gerhard Wendland gerade mal ein Band ausschließlich nur mit seinen Aufnahmen herausgegeben worden. Ich habe mal gehört, ein Teil des Tefifon-Kataloges sei später von Neckermann auf Schallplatten herausgebracht worden. Ob das so war und ob auch Aufnahmen von Wendland darunter waren, weiß ich aber nicht.
Die Tefifon-Technik konnte sich letztlich nicht durchsetzen und die ganze Sache klang in der ersten Hälfte der sechziger Jahre langsam aus. Für Gerhard Wendland war es sowieso nur ein Zwischenspiel, bis der wieder einen annehmbaren Vertrag bei einer richtigen Plattenfirma bekam.
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Comeback bei Philips
Bereits im Laufe seines „Tefifon“-Jahres 1959 kam es für Wendland zu einem Vertragsabschluss mit Philips. Damit war er wieder bei einer großen Plattenfirma, die er ja schon von seinem kurzen Gastspiel aus den frühen Fünfzigern kannte. Die vertragliche Bindung sollte viele Jahre andauern und war für beide Parteien erfolgreich. Es stellten sich sofort erste Erfolge ein, z.B. mit „Sie“ oder auch „Mr. Blue“ (beides deutschsprachige Versionen amerikanischer Hits).
Anfang 1960 nahm Wendland an der deutschen Vorentscheidung zum Grand Prix d’Eurovision de la Chanson teil. Mit dem Titel „Alle Wunder der Welt“ errang er hinter Wyn Hoop („Bonne nuit, ma cherie“) und Heidi Brühl („Wir wollen niemals auseinander gehen“) immerhin den dritten Platz. Allerdings war ihm damit kein Verkaufserfolg beschieden. Die eigentliche Siegerin in dieser Hinsicht war die zweitplazierte Heidi Brühl. „Wir wollen niemals auseinender gehen“ wurde nicht nur ein richtiger Hit, sondern auch das lebenslange Erkennungslied der Münchnerin. (1963 nahm Wendland nochmals an einem ähnlichen Wettbewerb teil – an den Deutschen Schlagerfestspielen. Mit „Lach doch, wenn's zum Weinen nicht ganz reicht“ belegte er erneut den dritten Platz.)
1962 war sein Jahr! Die Single „Tanze mit mir in den Morgen“ gab seiner Karriere nochmals einen gewaltigen Schwung. Gerhard Wendland war eigentlich niemals so etwas wie ein Teenager-Idol – und zwar weder hinsichtlich seiner Musik, seines Images, seiner Erscheinung noch (zumindest 1962) hinsichtlich seines Alters. Und dennoch schaffte er es, in den 52 Wochen des Jahres immerhin 38 Wochen lang in der BRAVO-Musicbox (12 Plätze) zu verweilen, davon 20 Wochen unter den ersten drei.
Diese großen Erfolge schaffte er mit drei Hits: „Tanze mit mir in den Morgen“ (1961/62: 20 Wochen), „Schau mir noch einmal in die Augen“ (1962: 17 Wochen) und schließlich „Mary Rose“ (1962/63: 7 Wochen). Das Jahr 1962 bescherte Gerhard Wendland bei der BRAVO-Otto-Wahl zum beliebtesten Sänger einen sehr respektablen 8. Rang, eine Platzierung, die er weder vorher noch nachher erreichen konnte.
Gerhard Wendland schwamm auf einer Erfolgswelle. Aber es gab auch Ärger. Seine ehemalige Plattenfirma Polydor, für die er 1958 die letzten Aufnahmen gemacht hatte, versuchte sich an die Wendland-Welle anzuhängen. Sie veröffentlichten drei Singles mit alten Aufnahmen. Single Nr. 1 griff unmittelbar die Tango-Euphorie auf. Der „Abendglocken-Tango“ stammte jedoch bereits aus dem Jahr 1952, die B-Seite „Tango Roulette“ aus dem Jahr 1955. Single Nr. 2 brachte auf der A-Seite eine neu bearbeitete Version von „Immer wieder lieb’ ich dich“ (Elvis Presleys „Love Me Tender“), wobei der Wendland-Gesang von 1957 stammte. B-Seite war hier „Die Mädchen von Labrador“ von 1958. Und schließlich – passend für’s Weihnachtsfest – brachte Polydor noch eine Single mit den beiden 1954er Aufnahmen „Weiße Weihnacht“ („White Christmas“) und „Weißer Winterwald“ („Winter Wonderland“) heraus.
Dieses Überangebot an Wendland-Aufnahmen hatte natürlich einen – wenn auch begrenzten – negativen Effekt auf die aktuellen Titel. Dies ärgerte den Sänger derart, dass er einen Brief an den BRAVO-Platten-Plauderer Paulchen schrieb, der dann in der Ausgabe Nr. 14/1963 veröffentlicht wurde. Dabei verglich Wendland die alten Polydor-Aufnahmen mit einem alten Hut und die neuen Philips-Aufnahmen als neuen Hut. Im Rückblick auf seine unbefriedigende Situation während der letzten Vertragsjahre bei Polydor sagte er: „Diese Firma zeigt in Sachen Wendland plötzlich eine Aktivität, die mich vor fünf Jahren in rasende Begeisterung versetzt hätte. Der Sinn ist klar. Ich habe Erfolg, und die früher so Zaghaften hängen sich an. Sicher, sie sind Geschäftsleute und sie wollen (und sollen) Geschäfte machen. Aber sie sollten doch wenigstens fair arbeiten. Alte Hüte sollte man nicht für neu verkaufen.“
1961 entstand die (allerdings nur kurzlebige) Institution der Deutschen Schlagerfestspiele. Bei der dritten Ausgabe im Jahr 1963 nahm auch Gerhard Wendland daran teil. In der Endausscheidung am 15. Juni 1963 errang er mit seinem Lied „Lach doch, wenn’s zum Weinen nicht reicht“ einen ehrenvollen dritten Platz. Platz 2 erreichte Anita Traversi mit „Ob in Bombay, ob in Rio“. Unangefochtene Siegerin wurde jedoch Gitte (Haenning), die damals noch ganz am Anfang ihrer deutschen Karriere stand. Der Siegertitel war natürlich ihr lebenslanger persönlicher Erkennungssong „Ich will ’nen Cowboy als Mann“. Man muss Wendlands dritten Platz letztlich schon als einen Erfolg werten. Allerdings zeigt ein Blick auf das Teilnehmerfeld, dass es kaum Interpreten seines Ranges gab, die sich an dem Wettbewerb beteiligten. Da gab es keine Caterina Valente und keine Bibi Johns, keinen Peter Alexander, Freddy Quinn oder Vico Torriani. Demzufolge war auch die Gefahr für einen etablierten Star umso größer, sich bei einem Wettbewerb mit dem Schlager-Nachwuchs zu blamieren.
Auch Gerhard Wendland zog die Konsequenzen. Als er gebeten wurde, den Titel „Alles Glück auf dieser Welt“ in der deutschen Vorentscheidung zum Grand Prix d’Eurovision 1965 zu singen, sagte er kurzerhand ab. Die Programmzeitschrift „HÖR ZU“ thematisierte die Situation (es hatte noch weitere Absagen gegeben) in einem Bericht in der Ausgabe Nr. 8/1965. Darin wird Gerhard Wendland mit folgender Aussage zitiert: „Ich bin doch nicht verrückt. Selbst wenn ich in der Vorausscheidung gewinnen würde, in Neapel würde ich vielleicht nur 14. werden. Der Schlager ist schnell vergessen, aber ich müßte danach wieder von vorn anfangen.“
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Die LP-Karriere
Im Jahr 1963 begann die eigentliche LP-Karriere für Gerhard Wendland. Zwar gab es vorher schon einige Sampler und einige Aufnahmen mit verschiedenen Sängern, aber die erste richtige Solo-LP mit neuen Aufnahmen kann erst jetzt heraus. Dabei konnte Wendland zeigen, wo seine wahren Stärken lagen. Diese waren gerade bei Liedern, die zwar ebenfalls sehr schöne Melodien haben, aber doch nicht so vordergründige Ohrwürmer sind. Ein wunderschönes Beispiel hierfür ist seine erste LP „Zärtliche Musik mit Gerhard Wendland“. Zwar gibt es auch hier ein paar eingedeutschte internationale Hits (z.B. den Judy-Garland-Evergreen „Somewhere Over The Rainbow“), doch insgesamt wird hier aus dem Fundus der Unterhaltungsmusik des deutschen Sprachraums geschöpft. Das wunderschöne „Bei zärtlicher Musik“ von Gerhard Mohr und Klaus S. Richter hat einige musikalische Wechsel, ohne aber die romantische Grundstimmung zu verlassen. Das Lied ist nicht vordergründig auf Ohrwurm getrimmt, dafür hat es aber eine umso stärkere Langzeitwirkung auf den Zuhörer. Es haben sich eine Reihe von Interpreten an diesem Stück versucht, z.B. auch die große Greta Keller, aber nie klang es überzeugender als bei Gerhard Wendland. Oder Franz Grothes Evergreen „Und wieder geht ein schöner Tag zu Ende“ (Text: Bruno Elsner) - eine perfekte Einheit zwischen einer unaufgeregten, schönen Melodie und einem herrlich dazu passenden Text. Lieder dieser Art sind wie extra für Gerhard Wendland geschrieben. Der einzige Wehrmutstropfen bei dieser wirklich schönen Zusammenstellung von zueinander passenden Liedern war der, dass alle schon ein paar Jahre (um nicht zu sagen: Jahrzehnte) auf dem Buckel hatten, als Wendland sie aufnahm. Das tut den Aufnahmen zwar keinen Abbruch, aber der angesagte Stil der Zeit war eben knalliger. Neue Anhängerschaften konnte der Sänger damit leider kaum gewinnen.
Generell kann man aber sagen, dass die LPs der sechziger Jahre ein relativ gleichmäßig gutes Niveau hatten. Zwar ist „Zärtliche Musik“ sicher die Perle darunter, aber auch die anderen Platten stehen nicht viel nach. Gerhard Wendland und sein Produktionsteam hatten zum Glück genügend Einsicht, dass es keinen Sinn hatte, jedem Trend hinterherzulaufen. Er hätte damit einerseits seine alten Fans verstört, aber mit Sicherheit auch keine Massen neuer Anhänger mehr gewonnen. Seine Zeit als Hitparadensänger war vorbei.
Im Großen und Ganzen gibt es zwei Gruppen von Wendland-LPs: die mit einem primär deutschen Repertoire (meistens waren das ältere Lieder) und die mit eher aktuellen Eindeutschungen internationaler Hits.
1968 bracht Wendland eine LP mit dem Titel „Love, so heißt mein Song“ heraus. Auf den ersten Blick konnte man frohlocken, war es doch eine Sammlung von deutschsprachigen Fassungen der bekanntesten internationalen Hits jener Jahre jenseits von Rock und Beat. Da waren „Release Me“, „The Last Waltz“ und „Les Bicyclettes de Belsize“ (jeweils Engelbert Humperdinck) vertreten, ebenso wie „What A Wonderful World“ (Louis Armstrong), „Delilah“ und „Help Yourself“ (Tom Jones), „This Guy‘s In Love With You“ (Herb Alpert), „Honey“ (Bobby Goldsboro), natürlich auch „Lara‘s Theme“ aus dem Film „Dr. Schiwago“ und noch mehr. Wahrhaft eine beeindruckende Titelauswahl. Es ist auch überhaupt nichts gegen die Interpretationen von Gerhard Wendland zu sagen - und doch... Irgendwie klingt alles ein wenig beliebig, etwa so, als würde Engelbert deutsch singen. Und so bleibt am Ende doch (nur) das Vergnügen, wieder einmal die Stimme von Wendland zu genießen, aber man spürt auch, dass er es eigentlich noch besser kann. Der Grund liegt vielleicht darin, dass alle die genannten Lieder gefällige, aber überaus bekannte Melodien haben, bei der man quasi wie von selbst schon mitsummen kann. Da lässt einfach die Intensität beim Zuhören ein bisschen nach. Dabei ist gegen die einzelnen Interpretationen nichts zu sagen. So kann z.B. seine Version von „Der letzte Walzer“ absolut neben der von Peter Alexander bestehen.
Mit seiner nächsten LP begab sich Wendland wieder auf ein Terrain, das besser zu ihm passte. „Ich werde jede Nacht von Ihnen träumen“ aus dem Jahr 1969 bot eine Sammlung bekannter deutscher Schlager aus den dreißiger Jahren. Ein Lied kam ursprünglich nicht aus dem deutschsprachigen Raum, die Melodie von „Vergiß mein nicht“ kam aus Italien und hieß „Non ti scordar di me“. Diese Komposition von Ernesto de Curtis kam aber mit einem Text von Ernst Marischka hierzulande so gut an und wurde von vielen Interpreten gesungen, dass man sie schon bald für einen der zahlreichen deutschen Evergreens der dreißiger Jahre halten konnte.
Die Lieder wurden allerdings durchweg mit moderneren und teilweise swingenderen Arrangements versehen, die die Titel verjüngten, ohne ihnen aber ihren Charakter zu nehmen. Lediglich bei dem großartigen Mackeben-Beckmann-Lied „Bei dir war es immer so schön“, das immer dann besonders gut zur Geltung kommt, wenn es ohne jeden Firlefanz gebracht wird, wurde leider der falsche Weg gewählt und es mit einer viel zu überladenen Instrumentierung versehen.
Doch insgesamt funktioniert die gesamte LP wunderbar, selbst ein Lied wie „Sag beim Abschied leise Servus“, das man eher dem Repertoire von Peter Alexander zuordnet, gelingt prächtig. Weitere Höhepunkte sind die beiden Peter-Kreuder-Nummern „Ich werde jede Nacht von Ihnen träumen“ und „Wenn die Sonne hinter den Dächern versinkt“ oder auch „Einmal wirst du wieder bei mir sein“ von Willi Kollo.
Wendlands LP-Karriere klang 1980 mit „In meinen Träumen“ aus. Dabei griff er ausschließlich auf bereits bekannte Melodien zurück, die zu einem großen Teil dem Begriff „Leichte Klassik“ zugeordnet werden konnten. Stücke wie die „Barcarole“ aus Jacques Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“ oder Anton Rubinsteins „Melodie in F“ wurden im Tempo etwas aufgepeppt und bekamen ungewöhnliche Arrangements. Den Liebhabern der Originalstücke würde es sicherlich die Schuhe ausziehen. Aber für diesen Personenkreis war diese LP ohnehin nicht gedacht.
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Fernsehen
In den sechziger Jahren war Gerhard Wendland (natürlich) sehr regelmäßig im Fernsehen zu sehen. Allerdings gab es nur eine einzige wirkliche Gerhard-Wendland-Show. Das war die am 20.09.1963 in der ARD ausgestrahlte 45-Minunten-Show „Bei zärtlicher Musik“. Ansonsten war der Sänger oft Gast in vielerlei Sendungen (Klassische Shows, Spielsendungen, aber auch in einem Tele-Modemagazin).
Sein berühmtester Auftritt war aber 1966 der legendäre Einspielfilm in der Quiz-Sendung „Einer wird gewinnen“, in der Hans Joachim Kulenkampff, Bully Buhlan, Willy Berking und eben Gerhard Wendland zu den Klängen der Originalaufnahme von „She Loves You“ die Beatles persiflieren. Gerhard Wendland stellt dabei Ringo Starr dar, sitzt also hinter dem Schlagzeug.
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Die Siebziger und Karriereausklang in den Achtzigern
In den siebziger Jahren machte Gerhard eine unaufgeregte Fortführung seiner Karriere. Es kamen weiterhin kontinuierlich neue Platten von ihm heraus, bei denen er auch weiterhin öfters deutsche Versionen amerikanischer Hits sang („Sweet Caroline“ und „Cracklin’ Rosie“ jeweils von Neil Diamond, „Rose Garden“ von Lynn Anderson oder „Ruby“ von Kenny Rogers). Dann und wann gab es auch eine bekannte Titelmelodie eines Filmerfolges („Love Story“ oder „Der letzte Tango von Paris“). Bei der Auswahl seiner Lieder lag er – im Bemühen aktuell zu bleiben – nicht immer richtig. Ein gospelmäßiges Lied wie George Harrisons „My Sweet Lord“ (in Deutsch: „Wo ist er?“) passte so überhaupt nicht zu Wendland – weder musikalisch noch thematisch.
Hits konnte Wendland zu dieser Zeit keine mehr erzielen. Und auch bei seinen Fernsehauftritten, die aber jetzt auch langsam spärlicher wurden, haftete ihm das Image des Sängers von gestern an. Die Auftritte verlagerten sich allmählich auf Evergreen-Galas, bei denen jeweils viele der Stars vor allem der fünfziger Jahre auftraten.
Nach etwa zwanzig Jahren lief dann 1979 auch Wendlands Schallplattenvertrag mit Philips aus. Danach machte der Sänger nur noch eine einzige neue Platte, nämlich 1984 die Single „Ball der einsamen Herzen“ / „Na und – nimm’s leicht“. Das war ein unspektakulärer, aber gleichwohl netter Ausklang einer langen Plattenkarriere.
Danach machte Gerhard Wendland noch einige Fernsehauftritte. Der letzte mir bekannte Auftritt war in der von Dieter Thomas Hack moderierten Sendung „Tag des deutschen Schlagers 1989“, die am 28.10.1989 in der ARD ausgestrahlt wurde. Danach war Schluss.
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Privates
Im Dezember 1950 heiratete Wendland Josephine Kochanek, die eigentlich eine Kollegin von ihm war. Als Josy Kochan war sie als Sängerin tätig. Zum einen war sie die erste Stimme des Gesangs-Quartetts Die Josinders / Die Josindas (siehe auch den Beitrag über diese Gruppe unter „Personen-Lexikon“). Daneben war sie aber auch solistisch tätig oder machte auch Duettaufnahmen. Im Dezember 1949 nahm sie mit Gerhard Wendland zusammen das Lied „Die kleine Fischerhütte in Lugano“ auf. Nach der Heirat gab Josy Kochan ihren Beruf als Sängerin auf. Anfang 1955 wurde das einzige Kind des Ehepaares, Sohn Sascha, geboren.
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Gerhard Wendland war immer von eher massiger Statur, er war dabei aber doch recht sportlich und pflegte auch ein solches Image. Auf Bildern sah man ihn ab und zu auf einem Fahrrad (Rennrad), von Tennis spielen und Tauchen war die Rede und in den frühen Karrierejahren sogar gelegentlich von Box-Sparringsrunden. Dazu passte eine freundschaftliche Verbundenheit mit Box-Idol Gustav „Bubi" Scholz. Eine weitere Leidenschaft verband ihn mit dem Fußball. Öfters spielte er in der Mannschaft von Sammy Drechsels „FC Schmiere". Aber auch sonst war er dem Fußball verbunden. Auf einer LP-Hülle ist folgende Anekdote erzählt. Ich bitte vorab schon um Entschuldigung bei allen Fans des 1. FC Köln. Wendland hatte eine alte Liebe zu Borussia Dortmund. Das war bekannt. Bei dem letzten Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft vor Einführung der Bundesliga im Jahr 1963 war Wendland unter den Zuschauern. Die Dortmunder Fans riefen daraufhin: „Köln hat den Geißbock - der stinkt, wir haben den Wendland - der singt". Der ebenfalls anwesende Ludwig Erhard soll daraufhin zu Wendland gesagt haben: „Ja, singen müsste man können."
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Familie Wendland 1957
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Im Laufe der Jahre ist eine Reihe von Bildern erschienen, die im Wendlandschen Anwesen in München (wohl Adlerstraße) entstanden sind. Auch etliche der Aufnahmen für Plattenhüllen sind hier entstanden. Als besonderes architektonisches Stilmittel fallen die zahlreichen Rundbögen ins Auge (bei Türen, Durchgängen, Fenstern). Das gibt dem Haus eine gewisse (vielleicht) altmodische Behaglichkeit. Eine weitere Auffälligkeit ist, dass sich Wendland sehr gern mit Büchern fotografieren ließ. Es waren immer „dicke Wälzer“, die er in Händen hielt. Die Hülle seiner LP „Zärtliche Musik mit Gerhard Wendland“ zeigt ihn vor einer Bücherwand mit Kamin. Diese Aufnahme ist in seinem Haus entstanden. Für mich ist es das schönste Cover einer Wendland-Platte überhaupt. Nummer 2 ist die Aufnahme zur LP „Man ist so jung, wie man sich fühlt“, die den Sänger zusammen mit zwei Hunden in einem Cabriolet zeigt.
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1971 kam es zu einem gemeinsamen Fernsehauftritt von Gerhard und Josephine Wendland. In der Ratesendung „Sie und er im Kreuzverhör“ (TV: 11.10.1971 ZDF) von Peter Frankenfeld traten jeweils Ehepaare gegeneinander an. Die Wendlands waren eines der Rateteams. Wenige Jahre später erkrankte Josephine Wendland an Krebs und starb am 15. März 1976 im Alter von nur 46 Jahren.
Am 6. Juni 1977 heiratete Gerhard Wendland in Sulzbach bei Saarbrücken noch einmal. Laut damaligen Presseberichten war Katharina eine Freundin von Josephine. Diese Ehe dauerte dann bis zu Wendlands Tod.
In allen mir bekannten Veröffentlichungen ist von zwei Ehen Gerhard Wendlands die Rede. Aus einer sehr zuverlässigen Quelle habe ich jedoch die Information, er sei dreimal verheiratet gewesen. Ich halte es zumindest für denkbar, dass Wendland eventuell vor dem Krieg schon einmal verheiratet war – altersmäßig würde es sicher passen. Aber ganz klar: das ist eine Spekulation, keine Information.
Die letzten Jahre waren dann geprägt von mancherlei Krankheiten des Sängers. Er musste mehrfach operiert werden und erlitt mehrere Schlaganfälle. Von seinem dritten Schlaganfall hat er sich dann nicht mehr erholt und starb am 21. Juni 1996 in einer Klinik im Münchener Stadtteil Schwabing. Er wurde beigesetzt auf dem Friedhof in München-Riem. Unter den Trauergästen war auch sein Sangeskollege Fred Bertelmann.
In verschiedenen Nachrufen war von drei Kindern die Rede. Es wäre denkbar, dass Ehefrau Katharina zwei Kinder aus einer früheren Beziehung mit in die Ehe brachte. Wendland selbst hatte sicherlich nur den schon genannten Sohn Sascha.
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