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Hanne Wieder
Zur Person
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Sie hatte ihren ganz eigenen Stil und ihre ganz eigene Persönlichkeit. Ihre kraftvoll gesungenen Chansons beeindrucken nicht nur inhaltlich sondern auch durch die Darbietung mit ihrer herben aber dynamischen Stimme. Hanne Wieder war eine Person, die in kein Schema und keine Schublade passte. Sie hatte während ihrer gesamten Karriere gesungen, aber leider ist nur ein relativ kleiner Teil auf Tonträgern allgemein verfügbar. Der größere Teil (von den unwiederbringlich verklungenen reinen Bühnenauftritten abgesehen) ist – hoffentlich noch – in Fernseharchiven vorhanden.
Hanne Wieder wurde am 8. Mai 1929 in Hannoversch-Münden geboren. Sie hatte noch drei Brüder. Ihr Vater war Berufsoffizier (er brachte es bis zum Generalmajor der Schutzpolizei), was – aufgrund von Versetzungen - für die Familie häufige Umzüge mit sich brachte. Daraus resultierten wiederum zahlreiche Schulwechsel für die junge Hanne. Insgesamt besuchte sie elf verschiedene Schulen, was sich natürlich negativ auf die jeweiligen Leistungen auswirkte.
Hanne hatte schon als junges Mädchen ein Faible für Filme und träumte von einer entsprechenden Zukunft. Nachdem sie wegen einer Nichtversetzung eine Schule verlassen musste, genehmigte ihr Vater der damals 15jährigen schließlich eine Ausbildung in einer Schauspielschule, da nicht mit einer konventionellen schulischen und beruflichen Karriere zu rechnen war.
Zum Ende des Krieges hin kam Hannes Vater an der Ostfront ums Leben.
Hanne Wieder besuchte zweieinhalb Jahre die Schauspielschule der Badischen Staatstheater in Karlsruhe. Ein Lehrer dort prophezeite der Elevin bereits damals, dass ihre große Zeit erst kommen werde, wenn sie über dreißig sei.
Ihr erstes Engagement hatte sie 1946 am „Neuen Theater“ in Stuttgart. Dort debütierte sie in Büchners „Woyzeck“. Bereits damals sang Hanne Wieder aber auch schon öffentlich. Es wird von einem Chanson von Carlo Schmid (in den späten 40er und den 50er Jahren ein führender Politiker der SPD) gesprochen.
Danach wurde sie für etwa ein Jahr nach Tübingen engagiert. Dort spielte sie in einer Aufführung von Schillers Drama „Don Carlos“ die Rolle der Eboli.
Anschließend kehrte Hanne Wieder aber dann zunächst einmal dem klassischen Theater den Rücken zu und orientierte sich in Richtung Kabarett. Sie schaffte den Sprung zum gerade erst gegründeten Düsseldorfer Kabarett „Kom(m)ödchen“, das sich unter Leitung von Kay und Lore Lorentz schnell als eines der führenden Kabarette im Nachkriegsdeutschland etablierte. Vom Juli 1947 bis Dezember 1951 gehörte Hanne Wieder dem Ensemble an.
Hanne Wieder blieb zunächst in der Kabarett-Szene. Anschließend ging sie 1952 zum „rendezvous“ nach Hamburg und war 1953 bis 1955 Mitglied bei den „Amnestierten“, einem 1947 in Kiel gegründeten Kabarett, das allerdings häufige Personenwechsel verkraften musste. Auch während der beiden Jahre von Hanne Wieder kam es zu weiteren personellen Veränderungen.
Aber auch im „normalen“ Theaterbereich entwickelte sich ihre Karriere weiter. Allerdings verschwammen gelegentlich auch die Grenzen zum Kabarett, etwa bei den Friedrich-Hollaender-Revuen. Als Hollaender und Wieder sich 1957 begegneten, war der Altmeister von der aufstrebenden Schauspielerin und Sängerin dermaßen begeistert, dass er speziell Lieder für sie schrieb.
Jetzt explodierte förmlich die Karriere von Hanne Wieder. Plötzlich war sie überall: auf der Bühne sowieso, aber auch im Film, im Fernsehen und dann auch auf der Schallplatte. Ihre wirkliche Schallplattenkarriere war eigentlich eher kurz – in den 60er Jahren. Damals gab es durchaus ein Umfeld, in dem Interpretinnen, die durchaus dem breiten Publikum bekannt waren, chansonhafte Titel auf Platten herausbringen konnten. Es seien als Beispiele nur einmal so unterschiedliche Interpretinnen wie Helen Vita, Edith Hancke, Ursula Herking, Ingrid van Bergen, Illo Schieder oder Eva Pflug genannt. Es gab auch immer Fernsehsendungen für ein entsprechendes Repertoire. Wirkliche Bestseller in dieser Richtung konnte aber nur Hildegard Knef landen. Vielleicht war das ein Grund dafür, dass auch Hanne Wieder nicht wirklich langfristig Schallplatten aufnahm. Aber gesungen hat sie hat sie immer, nur fand das mehr auf der Bühne und im Fernsehen statt.
In den 60er Jahren war Hanne Wieder geradezu allgegenwärtig, in den Siebzigern wurde das dann weniger. Eine etwas seltsame Publicity erhielt Hanne Wieder im Jahr 1974. Damals gab es als einen der erfolgreichsten Film der Saison den amerikanischen Horror-Streifen „Der Exorzist“. Darin ging es um ein junges Mädchen, das vom Teufel besessen war. Aus dem Mund dieses Mädchens tönte zeitweise mit einer furchterregenden Stimme der Teufel. Und die Teufelsstimme in der deutschen Synchronisation stammte von Hanne Wieder.
In Berichten über die Künstlerin wurde immer wieder hervorgehoben, dass sie doch sehr in ihrem Beruf aufging, der ihr Lebensinhalt war. Als Hobby gab sie allerdings an: Wohnen. Das liegt auch auf Hand, dass jemand, der beruflich ständig unterwegs ist, die wenige Zeit daheim (das war für Hanne Wieder München) sehr kostbar ist.
In den frühen 80er Jahren wurde bei Hanne Wieder eine schwere Krebserkrankung diagnostiziert, die sie dazu zwang, ihre berufliche Tätigkeit immer mehr einzuschränken. 1987 hatte sie auf der Hamburger Kleinkunst-Bühne „Macadam“ ihren letzten Erfolg.
Hanne Wieder starb am 11.05.1990 in Feldafing bei München.
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